Stabreime beim Brötchenholen
Mitte März im Staatsschauspiel Dresden: Gerade noch hatte Fiesko zu Genua, halbseidener Hoffnungsträger einer putschbereiten Regierungsopposition, im Hinterzimmer gekokst und an spätpubertären Flaschendrehspielchen teilgenommen.
Jetzt tänzelt er an der Rampe auf und ab und fragt unter maximal demagogischer Pokerface-Aufbietung: «In welcher Regierungsform leben wir denn eigentlich?» Weil draußen, vorm Theater, montagsabends immer noch ein paar Tausend Deutschlandfahnenträger und «Lügenpresse»-Skandierer vorbeimarschieren, hat der Regisseur Jan Philipp Gloger Schillers «Verschwörung des Fiesko zu Genua» drinnen, wo erfahrungsgemäß ohnehin der Gegenkonsens sitzt, als eine Art Anti-Pegida-Unterrichtseinheit inszeniert. «Wer hat denn schon mal in einer anderen Regierungsform gelebt?», fährt der reformpädagogische Revoluzzer-Darsteller Fiesko (Christian Erdmann) also fort und scannt die ersten sieben Zuschauerreihen ab. Es ist dies jener von Aachen bis Zürich gefürchtete «Partizipations»-Theatermoment, in dem sich gewöhnlich alle Augenpaare nach unten richten und scheinkonzentriert nach Unregelmäßigkeiten im Fußbodenbelag suchen.
Nicht so in Dresden. Am Staatsschauspiel der sächsischen ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Der Konsens im Parkett, Seite 28
von Christine Wahl
Theater heute Lieber Wolfram Lotz, Paragraph 12 ihres Manifests im Jahrbuch 2014 lautete: «Im Theater ist das Gelingen des Lebens der Arbeitenden von Bedeutung, aber nicht nur dort.» Was sind die Bedingungen für das gelingende Leben eines Theaterautors?
Wolfram Lotz Ich befürchte, es gibt kein gelingendes Leben als Theaterautor, man kann als Theaterautor...
Ein großbürgerliches Wohnzimmer unserer Zeit. Altbau. Europa. Die Leute, die hier wohnen, haben Geschmack, sie verbinden gekonnt Modernes mit Altem, sie haben genug Geld, aber es muss auch nicht alles perfekt sein. Ikea trifft Biedermeier und Charles Eames und Flohmarkt. Sie lesen Bücher, sie haben studiert.» Pointiert skizziert Roland Schimmelpfennig den...
Wir, die Gruppe George Kaplan, haben ein empfindliches Gemüt. Unsere Zeit hängt uns zum Hals raus. Seit langem schon sind wir nur noch Gespenster unserer Existenz, Fahnenflüchtige, die durch ihre Rückzugsgebiete geistern. Wie durchsichtig wir uns selbst und der Welt erscheinen, erstaunt nur noch die Unaufmerksamsten unter uns.»
«George Kaplan» ist eine ebenso...
