Paul Grill als Faust und Sandra Gerling als Mephisto in Stephan Kimmigs Stuttgarter «Faust»; Foto: JU/Theater Stuttgart
Ich bin kein Kollektiv!
Das Dilemma der jungen Frau: Sie gäb was drum, wenn sie nur wüsst, wer dieser Herr gewesen ist. Auch wenn ihr dieses Gefühl gar nicht passt. Weil es ihr peinlich ist. Weil es unzeitgemäß ist. Weil es in einem Anbaggern wurzelt, das sie gerade noch vehement abgewiesen hat. Aus ihrem höhnischen «Wär sonst auch nicht so keck gewesen» beispielsweise klingt nicht nur Wut über den übergriffigen Faust, sondern auch Wut darüber, auf diesen Kerl wütend sein zu müssen.
In mehreren Varianten spricht Lea Ruckpaul als Gretchen die bekannte Passage nach der ersten Begegnung mit Faust: Zum einen zeigt sie Gretchen als junge Frau, die sich ihr Weltbild noch formt und Haltungen ausprobiert, zum anderen spiegelt sie den Formungsdruck von außen durch soziale Normen. Vor allem dank solcher Momente gelingt es Stephan Kimmigs Inszenierung, aus Goethes «Faust» mit einem nur vierköpfigen Ensemble (plus Livemusiker Malakoff Kowalski) einen überraschenden Theaterabend zu machen.
Wenn auch mit Anlaufschwierigkeiten: Von der ersten Hälfte, der so genannten Gelehrtentragödie, scheint die Regie eher genervt. Alles bis zum Osterspaziergang wird von Paul Grill und Elmar Roloff als jung-altes Faust-Doppelpack in ...
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Theater heute Dezember 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 25
von Andreas Jüttner
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