Crashtests mit Handbremse
Früher war alles besser. Die Luft frischer, die Zigaretten billiger, und auch die Liebe war noch nicht eine Ansammlung gescheiterter Versuche, sondern die Liebe eben. Das gilt allerdings nur, solange dieses «früher» auch «früher» bleibt. Steht es jedoch eines Tages leibhaftig vor der Tür und tut so, als wäre es gerade mal eine halbe Stunde her, seit man sich zum letzten Mal geküsst hat, dann ist das zweifellos ein Schock.
Was tun, wenn plötzlich die Vergangenheit in der Gegenwart auftaucht und behauptet, die Zukunft zu sein? Frank und seine Frau Claudia sind gerade beim Packen, ein Umzug nach Übersee steht bevor, als Romy Vogtländer, Franks längst vergessene Jugendliebe, hereinplatzt und sein vor 24 Jahren gegebenes Versprechen ewiger Liebe einlösen will. So einfach, so kompliziert. Was folgt, ist eine systematische Demontage bequemer Lebenslügen. Mit ungebremster Wucht kracht der archaische Absolutheitsanspruch in die kompromiss-gepolsterte moderne Beziehungskiste. Roland Schimmelpfennigs jüngstes Stück «Die Frau von früher» erinnert daran, was Liebe einmal war, eine Ungeheuerlichkeit, und zeigt gleichzeitig, was aus ihr geworden ist, Verhandlungsmasse im emotionalen ...
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Vor ein paar Wochen lag am Bühneneingang der Brief einer Zuschauerin, deren begeistertes Lob für die Vorstellung von «Virginia Woolf» in dem Satz gipfelte: «Wie schön, endlich mal wieder ein Abend nur mit wunderbaren Schauspielern ganz ohne Regie!» – Hierbei handelt es sich ganz offensichtlich um den Fall des unterschätzten Regisseurs. Das ist ja heutzutage eher...
Gegen Schillers Hitze – die Kälte, gegen Schillers Höhe – die Fläche, gegen Schillers Pathos – die Beiläufigkeit, gegen Schillers Universalismus – das Private. Wogegen man aninszenieren muss, weiß man bei Schillers «Räubern» immer. Schon Schiller selbst gab in seiner Selbstrezension der Uraufführung von 1782 Ratschläge, wie man gegen sein Stück vorgehen solle: vor...
Aus dem hell erleuchteten, voll besetzten Parkett des Hamburger Deutschen Schauspielhauses steht ein Theaterbesucher auf, geht im Businessanzug, den Schlips richtend, nach vorn und stellt sich und seine Problemlage dem Publikum als sein eigener Werbe-Promoter mit kaltem Charme vor: Der Chef, Othello, hat ihn, Jago, bei der ihm eigentlich zustehenden Beförderung zum...
