Deftig, dirty und gedopt
Wer sich dem neuen ungarischen Nationaltheater am Pester Donau-Ufer nähert, tritt durch einen frei aus der grünen Parkplatzwiese ragenden Portikus, um den sich ein faltenwurfreicher Betonvorhang plustert. Auf einem gepflegten Pfad geht es vorbei an Figuren, die auf Bänken angeregt plauderten, bestünden sie nicht aus Bronze. Vor dem Theater schließlich mit seiner wuchtigen Spiegelglasfassade, prallen Marmorsäulen und allerlei Statuettenkram wölbt sich ein Brücklein über flaches Gewässer, in dem, befeuert von drei ewig brennenden Fackeln, ein gipserner Tempelfries versinkt.
Ein stimmiges Untergangsbild. Denn das überaus kostspielige, bühnentechnisch rekordverdächtige und mit kuriosem Kunstnippes aufgebrezelte Gebäude kostete die Architektin Mária Siklós nachträglich den Platz in der ungarischen Architektenkammer. Der gewagte Repräsentationsbau auf dem Areal des künftigen «Millenium City Center» lässt auch viele Budapester Theaterleute die Augen verdrehen. Allzu trefflich spiegelt er den akuten Geschmacksausfall einer Transit-Gesellschaft, die sich nach der Wende neu zu erfinden versucht und dabei mitunter hektisch daneben greift (man denke nur an das Berliner Kanzleramt).
Das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wer zur Begrüßung auf Blütenkränze und Hula-Mädchen gehofft hatte, wurde enttäuscht. Stattdessen hat sich ein finsteres Empfangskomitee vor der Bühne des Stuttgarter Theaterhauses aufgebaut. Gut ein Dutzend streng dreinschauende Polynesier in Smoking und Abendkleid fixieren zehn Minuten lang das Publikum, so als wolle man gleich einmal klarstellen, dass...
Die Flüge werden immer billiger. Aus den Lufthansa-Schauspielern sind Air-Berlin- oder Germanwings-Schauspieler geworden. Das Phänomen des zur selben Zeit an mehreren Orten engagierten Künstlers ist aber nicht mehr auf Schauspieler, Regisseure und Bühnenbildner beschränkt; auch manche Festivalmacher sind so begehrt, dass sie gleichzeitig für verschiedene...
Im August letzten Jahres konnte der Bayerische Rundfunk mit einer kleinen Sensation aufwarten. Dort waren Bänder gefunden worden, auf denen Fritz Kortner Teile seiner 1959 veröffentlichten Autobiographie unmittelbar nach deren Erscheinen gelesen hatte. Fünf Stunden, von denen lediglich 40 Minuten damals gesendet wurden. Fünf Stunden, von denen so mancher von...
