Die Paten von Europa
Franz Wille Nach 22 Jahren wird die Biennale Neue Stücke in Europa im Juni voraussichtlich zum letzten Mal stattfinden. Die Intendanz von Manfred Beilharz in Wiesbaden endet mit dieser Spielzeit, und noch ist keine Fortsetzung in Sicht. Blicken wir vor der letzten Ausgabe ein wenig zurück. Im Gründungsjahr 1992 sah Europa noch anders aus; auch der Stellenwert von Dramatik im Theater war ein anderer. Wie sehen Sie die Entwicklung?
Tankred Dorst Das Theater ist vielfältiger geworden.
Als ich anfing, Stücke zu schreiben, zu Beginn der 60er Jahre, waren die Grenzen der Darstellung viel enger. Alles war strikter und geschlossener; es gab auch allgemein akzeptierte geschlossene Formen. Wenn ich mich dagegen heute umschaue, was gespielt wird in Deutschland und den europäischen Theatern, dann sehe ich eine hohe Qualität in einem freien Umgang, Geschichten zu erzählen. Ich denke allerdings schon, Theater sollte eine Geschichte erzählen. Aber da gibt es viele Möglichkeiten. Wenn jemand über die Bühne geht und ins Publikum schaut oder sich schneuzt – auch das ist eine Geschichte. Ich sehe die Entwicklung eher positiv. Und wenn es nicht Theater ist, dann nennen wir es eben Thaeter, würde Brecht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2014
Rubrik: Kulturpolitik, Seite 44
von Franz Wille
Herbert Fritsch was here. Das war 2010, Fritsch inszenierte in Schwerin Hauptmanns «Biberpelz», zunächst nicht gerade begeistert aufgenommen; aber nach der Einladung zum Theatertreffen 2011, dem Startschuss für Fritschs fulminante Spätkarriere landauf, landab, sind die Spuren, die er in MeckPomm hinterließ, unübersehbar. Er selber hat zwar nur noch einmal dort...
Am 23. April sprühten die britischen Zeitungen, Theaterwebsites, Museumsankündigungen und Online-Event Seiten vor geistreich festlichen Wortspielen wie «Happy Bardsday», «Cakespeare» oder «All the World’s a Cake». Charmante Geburtstagsgrüße zu William Shakespeares vierhundertfünfzigstem. Vor allem aber lag der Stress adäquater Feierlichkeiten in der Luft. Wie bloß...
Seit über einem Jahr wird verhandelt, aber ein Urteil ist nicht in Sicht. Der Prozess schleppt sich zäh durch tagelange Verhöre mit Handlangern aus dem Dunstkreis des rechten Untergrunds, die sich an kaum etwas erinnern können oder wollen. Akribisch gründlich arbeitet das Münchner Oberlandesgericht, um wenigstens jetzt Licht in das verbrecherische Schattendasein...
