Überstehen ist alles
Für potenzielle Helden ist das Leben ja ziemlich langweilig in unseren Breiten. Kriegszüge kommen seit 60 Jahren nicht mehr in Frage, die Katastrophe trägt den Vornamen Klima und lässt sich noch gut verdrängen, der Sonnenkollektor auf dem Dach ersetzt den Feldzug. Die Sehnsucht nach dem Heldentum, dem Abenteuer in Gefahren, die letzte Kräfte in Anspruch nehmen, darf sich im Dschungelcamp austoben. Im Spiel ein zweites Leben führen, das gar nicht weh tut, dafür gibt es die Identifikationsmaschine Kino und viel länger schon das Theater.
Seit neuerem aber auch das Internet, zum Beispiel, schwer gehyped, die virtuelle Welt des «Second Life», in dem sich das brave Alltags-Ich als Superman und Sexbombe betätigen kann. Was passiert wohl, wenn man die beiden Spiel-Welten zusammenbringt (und ganz nebenbei vom Hype noch profitiert)?
Das zweite Leben in Helgeland
Viel weniger, als gedacht. Und viel mehr. Roger Vontobel setzt das vollmundig als «Mixed World Production» angekündigte Experiment im Malersaal des Hamburger Schauspielhauses mit einem frühen Ibsen ins Werk. Eine Riesenleinwand schließt die Bühne von Claudia Rohner ab: der Super-Bildschirm, bigger than life. Davor stellt nüchternes ...
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Das Schauspielhaus liegt in Wien-Alsergrund, also mitten in Dodererland. Der Wiener Schriftsteller Heimito von Doderer (1896–1966) hat den neunten Bezirk mit seinem Roman «Die Strudlhofstiege» (1951) in die Literaturgeschichte eingeschrieben. Und das Schauspielhaus in der Porzellangasse befindet sich mitten am Schauplatz: Melzer, der Held des Romans, wohnte ein...
Wind macht diese Inszenierung nur einmal, gleich zu Anfang, wenn die vierte Wand aufklappt, zu Boden kracht, den Blick in eine knallgelbe Box öffnet und eine Luftdruckwelle über die Köpfe des Publikums fegt. Was folgt, ist ein Sturm, ach was, ein Tornado aus Worten. Wirbelt eine Stunde, dreht sich um drei Frauen, Barbara, Silvia, Anika, drei Damen vom Jugendamt,...
Anfang Januar füllte sich das Londoner Young Vic Theatre für eine stürmische Matinee: 600 wutschnaubende britische Theatermacher drängten sich ins Auditorium. Die Schauspielergewerkschaft Equity hatte Peter Hewitt, den scheidenden Vorstand des Arts Council England (ACE), zur Diskussion gebeten. Denn es gab Redebedarf: Am 12. Dezember hatte die zentrale englische...
