Offene Wunde
Es ist mein innerlichstes Stück», sagt die 31-jährige Autorin, die im vergangenen Sommer als Nachwuchsdramatikerin des Jahres gewählt wurde und diesen Sommer schon ihr sechstes Stück vorlegt. Sie hat gerade ihr Studium Szenisches Schreiben an der UdK Berlin absolviert und bereits das Reich der Profis erreicht. Spannende Inszenierungen sind aus ihren Texten hervorgegangen: Kriegenburgs «Protection» etwa oder Roger Vontobels «Monsun». Sie hat alle Aufführungen gesehen, und das hat Folgen. In ihrem neuen Stück stellt Anja Hilling den Mehrwert des Theaters noch mehr in Rechnung.
Sie überfordert das Theater im besten Sinne, indem sie nicht nur die dramatische Einheit von Raum, Zeit und Handlung vollends auflöst, sondern auch die Logik ihrer Figuren ad absurdum führt: Es gibt keine Einheit der Handlung mehr, die sich wenigstens am Ende des Stückes behaupten lässt, keine Chronologie der Zeit, die das Erleben nachvollziehbar macht, keine Identität der Figuren, die nicht anzweifelbar ist. Also bewegen wir uns bei der Lektüre im «Chaos der Rekonstruktion», wie die Autorin selbst eine Szene kommentiert, bei der Passanten einen Unfall beobachtet haben, den jeder Einzelne anderes beschreibt. ...
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Und wie halten es die Dramaturgen in der nächsten Saison mit ihren Lieblingsstücken? Eher Textflächen gefällig oder Figurendramatik, soll wieder erzählt werden, und wenn ja, von was? Ist Handlungsstärke gefragt, oder lasten die Zustände auf den Menschen? Die neuen Regeln der Saison – Stücke von Sergi Belbel, Lukas Bärfuss, Dimitré Dinev, Reto Finger, Jon Fosse,...
Wie machen sie das nur, Katharina Schüttler und Felix Goeser, die Hedda Gabler an der Berliner Schaubühne und der Stuttgarter Platonow, erst wenige Jahre am Theater und schon Schauspieler des Jahres?
Gibt es dafür auch Regeln? Zwei Porträts über die bezwingendsten Darsteller der Saison, deren Bühnenwirkung sich kaum jemand entziehen kann.
...Roland Schimmelpfennig hat einmal gesagt, Theater sei «Faxenmacherei». Seitdem aber seine Stücke immer mehr die deutschen Bühnen bevölkern, geheimnissen die Bühnenkünstler, eifrig sekundiert vom erwartungsvollen Feuilleton, viel in die angeblich raunenden, nicht enträtselbaren, überdies naturgemäß postmodernen Texte hinein. Denn Schimmelpfennig ist in der Art, wie...
