Wir müssen ein bisschen Platz machen
Europa wahrhaftig zu verteidigen bedeutet, die Idee von Europa zu schützen und eben nicht die Grenzen. Konstantin Küsperts Stück kann als ein leidenschaftliches Plädoyer für ein (europäisches) Engagement gelesen werden.
Was macht Europa aus, fragt das Stück, sind es die Werte der Aufklärung, die Werte von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit? Oder ist Europa nur ein Wirtschaftsraum und die EU ausschließlich eine Organisation, die ihren weltweit agierenden Unternehmen einen Heim- und damit Wettbewerbsvorteil verschaffen soll? Ist Europa eine Trutzburg, eine Festung gegen «Überfremdung», von Frontex geschützt? Eine Wohlfühloase im globalen Zusammenhang? Wer darf es sich drinnen gemütlich machen, wer muss leider draußen bleiben? Wie viele «Fremde» verträgt der Kontinent? Mit wem haben wir Mitleid? «Wir müssen ein bisschen Platz machen, damit sie rein passen … unseren Wohlstand teilen, ja, auch das», sagt eine Stimme im Stück.
Küspert entwirft in «europa verteidigen» drei Erzählebenen, deren Teile immer neu miteinander verschränkt werden können. Er überschreibt sie mit: «Festung Europa», «Opfer Europa», «Mutter Europa». Es sind Mythen, Geschichte und Geschichten, schließlich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 166
von Remsi Al Khalisi
Was darf die Kunst? Alles! Weil sie ein Privileg ist.
Freiheit braucht Kunst. In der deutschen Gesellschaft kommt Kunst unter anderem die Aufgabe zu, kritisch zu sein. Und Gesellschaftskritik soll in einem demokratischen Gemeinwesen gefahrlos möglich sein: Nach Artikel 5 des Grundgesetzes – «Eine Zensur findet nicht statt» – ist staatliche Vorzensur untersagt.
K...
Szene acht
Am nächsten Tag.
Derselbe Raum.
Bashir und Nick. An den Tischen. Nick erklärt. Bashir hört zu und reagiert. Computer
aufgeklappt vor ihm.
Nick Das Wichtigste am Geld ist, dass die Menschen es nicht gern verlieren, Bashir. Die Menschen, die Firmen, die Regierungen.
Also suchen sie immer nach einem sicheren Ort dafür. Siebzig Jahre lang war der sicherste...
Wahrheit und Freiheit unterhalten im aufgeklärten Europa ein höchst verzwicktes Verhältnis. Doch Hakan Denktas, Protagonist in «Kuffar. Die Gottesleugner», kennt den Ausweg aus den Beunruhigungen der Moderne: Er stellt sie still, indem er sie als einfachen Gegensatz begreift. «Ihr sucht die Freiheit. Ich suche die Wahrheit.» Präziser lässt sich die Attraktivität...
