Große Fragen, große Sehnsüchte

Der Schweizer Dramatiker Simon Froehling hat einen Liebesroman geschrieben

Theater heute - Logo

Diesmal ist es anders. In der Nacht, in der er ihn kennen lernt, flüchtet Patrick vor Jirka – Hals über Kopf, wie sie sich vor wenigen Stunden ineinander verliebt hatten beim Yoga. Er schleicht sich aus Jirkas Bett in der Panik, dass es diesmal der Richtige ist. Noch in derselben Zürcher Winternacht betäubt sich Jirka,
der zugesehen und nur so getan hat, als schliefe er, mit der selbstzerstörerischen Flucht in eine drogenreiche Gangbang-Party; und steckt sich mit HIV an.

Jirkas und Patricks Schicksalsnacht ist Ausgangs- und Fluchtpunkt eines «Liebes­romans» – so bezeichnet der junge Schweizer Dramatiker Simon Froehling sein Romandébut im Genre –, auf sie fällt alles zurück in spannungsvoll komponierten szenischen Vor- und Rückblenden, Fragmenten einer Liebeserzählung, in die sich auch die Vergangenheit mischt, Bilder von Patricks Kindheit auf dem Land, einer Frankreichreise ohne den Vater, der die Familie verlassen hat, Evokationen der großen Schwester, die im Sommer zuvor bei einem
Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist.


    Analytischer Sog

Patrick spricht. Er spricht Jirka an, er redet zu sich selbst – er fragt, er erzählt, er versucht sich Jirkas Nacht vorstellbar zu machen und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2010
Rubrik: Magazin, Seite 63
von Andreas Klaeui

Vergriffen
Weitere Beiträge
Aufführungen

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, auch die auf den Sommer. Und so haben sich unsere Theater von nasskalten Mai- und Junitagen nicht irritieren lassen und verlegen ihre Spektakel im Juli unverdrossen ins Freie. Mit den «Nibelungen. Lockruf des Goldes» nach Hebbel eröffnet Markus Heinzelmann mit 100 mitwirkenden Jenaer Laien den Freilichtreigen auf der Bühne...

Der vermeintliche Iwan

War er einer jener «normalen» Kollaborateure, die in den Vernichtungslagern der Nazis ihre eigene Haut retteten, indem sie Juden in Gaskammern trieben, oder gehörte er zu den Schergen, die während ihrer «Arbeit» sadistische Lust entwickelten? Darum geht es, seit Anfang der 1980er Jahre Überlebende des KZ Treblinka in John Demjanjuk jenen berüchtigten Wärter erkannt...

Das Wir-und-die-Knäuel

Ganz am Anfang, als Christoph Schlingensiefs «Via Intolleranza II» gerade ein bisschen auf Touren gekommen ist, wird auf die «verlogenen Texte des Herrn Nono» eingehackt. Nur kurz. Dann erfahren wir nicht mehr viel über Luigi Nonos «Intolleranza 1960», das in manchen Ankündigungen noch von Schlingensief und seinem rund um das Operndorf zu Ougadougou und in anderen...