Schwester Courage
Die junge Frau mit der roten Strickjacke stößt einen tiefen, wunden, würgenden Schrei aus. Es ist der Moment, in dem sie begreift, dass sie sterben wird: Nicht irgendwann später, wie jeder Mensch glaubt, nicht frühestens 99 Tage nach dem Gerichtsurteil, wie morgens Zellengenossin Else versprochen hat, sondern noch heute, gleich. So will es das Nazi-Regime, das an Sophie Scholl, ihrem Bruder Hans und Christoph Probst, dem jungen Vater dreier Kinder, ein niederträchtiges Exempel statuiert.
Spätestens nach diesem Schrei, den Julia Jentsch in der Filmrolle der Sophie hervorstößt, hebt im abgeklärten Publikum der Pressevorführung ein heftiges Schneuzen und Nasehochziehen an. Es schwillt an, wenn Sophie ein letztes Mal ihre alten Eltern sieht («Ich bin stolz auf euch», stammelt der Vater, «Denk an Jesus», bittet die Mutter), der Pfarrer segnend die Hand über ihren braunen Seitenscheitel hebt und sie schließlich Freund Christoph (Florian Stetter) und den bis zuletzt wachen, leuchtenden Bruder Hans (Fabian Hinrichs) in die Arme schließt, während ein sattes Streichorchester über dem Trio zusammenseufzt. Dann bleibt die Leinwand schwarz, nur Ton und Tränen laufen noch ein Weilchen weiter. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Theatre, in the Islamic Republic, finds its noble and high responsibilities in expressing pains and suffering of fettered and oppressed human beings.» revolutionsführer ali chamenei (vorangestellt dem katalog zum 23. internationalen fadjr-festival)
Darf ich mich einen Moment zu Ihnen setzen?» Obwohl im Flugzeug nach Teheran noch viele Plätze frei sind, setzt...
Folgende kleine Geschichte: Im Jahre 1908 fiel ein Meteorit aus Eis (Ljod) auf Sibirien. Ein blonder und blauäugiger Russe fand ihn, das seltsame Eis erweckte sein verhärtetes Herz, und ihm wurde ganz wohl dabei. Ein klarer Fall von Erweckung eines Auserwählten. Mit Hilfe eines Stückchens Ljod konnte er außerdem erkennen, welche Menschen außer ihm noch erwählt...
In grauen Arbeitskitteln treten sie vor das Publikum, wie Hausmeister, Elektriker, Verkäufer, fragen: «Was wissen wir eigentlich von der Arbeit? Was wissen wir von ihr und den auflösbaren Bezügen zwischen der Arbeit, dem Sinn unseres Lebens und der Form unserer Gesellschaft?» Das bleibt die Frage des Abends, und dazu wird, mit kräftiger Hilfe von «Onkel Wanja»,...
