You are glorious. Inside and out
Mit «Smokefall» und «The Homemaker» hat Noah Haidle sein Grundstück bereits auf beeindruckende Weise abgesteckt. Bevölkert wird es von mehreren Generationen von Familien mit archaischen Strukturen: Die Mütter warten, die Väter verlassen und die Kinder suchen. Vom Fötus im Bauch der Mutter bis zum dementen Großvater lässt Haidle sie zu Wort kommen. Bei aller zeitlicher (ein Abend), räumlicher (ein Haus) und personeller (eine Familie) Konzentration entfaltet er ganze Lebensgeschichten und zeichnet dabei auch ein amerikanisches Gesellschaftsbild.
Die Alltäglichkeit seines Settings verbindet er mit einer surrealen und abgründigen Ebene, in der Vergangenheit, Wunsch- und Vorstellungswelten beharrlich präsent sind. Es sind well-made plays eines zeitgenössischen absurden Theaters: Haidle nennt Beckett als Referenz, eine amerikanische Zeitschrift postuliert ihn als Thornton Wilder auf Acid.
Haidle hat vor allem anderen eine große Kunst des Dialogschreibens inne, schreibt mit anziehender Leichtigkeit, gleichzeitiger Schärfe und mit vehementen Realitätseffekten: Bereits wenige Sätze von «The Homemaker» versetzen mich direkt in den amerikanischen Haushalt in Grand Rapids. In der Küche tanzt ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 178
von Lucie Ortmann
Zuerst stellt sich für mich sogleich die Frage, wie der Ort für dieses Traumangebot aussieht. Wo ich bin, ganz real.
Und da tauchen auch schon drei ehrwürdige Hallen auf. Ein Park mit alten Bäumen, einen Biergarten hat es, unmittelbar an einem breiten, langsamen Fluss. Das beeindruckt mich besonders. Ein unbestechlicher Begleiter, Einmitter, Erregungshemmer, der...
Vier Freundinnen, Mitte 20. Im grellen Saallicht trotten sie auf die Bühne. Blicken drein wie frisch verliebt in die Sinnkrise. Wadenlange Blümchenröcke. Blickdichte Strümpfe. Schlabber-Sweater, brutale Hornbrillen, Notfrisuren. Je ein Finger steckt in gut geleerten Wodkaflaschen. Je ein Erkenntnisrausch vernebelt das Gemüt: «Es sagt mir nichts, das sogenannte...
Sich eine Welt auszumalen, in der das Realitätsprinzip abgeschafft ist, praktische Umstände keine Rolle spielen und der Wunsch nur darauf wartet, seine Erfüllung zu finden, das hat wenig mit der Art und Weise zu tun, mit der ich mich durchs Leben bewege. Deswegen entspricht es meinem Bild des idealen Theaters und meinem Selbstverständnis, dass die Künstlerische...
