Wörter ohne See
Jesus sieht aus wie Hermes Phettberg, nur die Jeans sind nicht so versifft wie beim Original. Jesus ist Protagonist des neuen Franzobel-Stücks «Wir wollen den Messias jetzt oder Die beschleunigte Familie», einem Auftragswerk des Burgtheaters. Es handelt sich, wie der barocke Titel schon sagt, um eine Mischung aus Passionsspiel und Familiendrama: Der Erlöser ist ein fetter Couch Potatoe, der lieber vor dem PC masturbiert als seinen ehelichen Pflichten nachzukommen; seine Familie (Vater, Mutter, Schwager) ist eine Ansammlung kleinbürgerlicher Monster.
Ungefähr so hätte es vielleicht ausgesehen, wenn Werner Schwab «Das Leben des Brian» geschrieben hätte.
Nachdem ihm in Gestalt einer «geilen Alten» die göttliche Erleuchtung widerfahren ist, erschlankt Jesus auf wundersame Weise, er singt eine philosophisch aufgefrischte Version des Hohelieds der Liebe («Wenn ich Zizek und Baudrillard und Derrida gelesen hätte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts») und predigt die politisch korrekte No-Logo-Lehre: Keine Chiquita-Bananen! Keine Nike-Turnschuhe! Kein Shell-Benzin! Aber die Menschen missverstehen seine Lehre («Er hat gesagt, wenn wir keine Bananen essen, kommen wir in den ...
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Ein Lagerfeuer in der Bühnenmitte. Abiturienten tanzen, angeheizt von einem Akkordeonspieler mit russischem Soldatenkäppi. Rechts stehen massige Pfeiler im Bogen bis zur Hinterbühne. Gedämpftes Licht. Einen Vorhof zur Unterwelt – halb Kanalisation, halb Flussbett – hat Stefan Heyne auf die Bühne des Staatsschauspiels gebaut. An ihrem äußeren Rand hängt eine...
Heimat steht nicht hoch im Kurs im ach so progressiven deutschen Theater. Was soll man da mit einem Stück anfangen, das den Mittelteil einer «Heimattrilogie» stellt, wie «Dogland» von Nuran David Calis? Wie schon bei seinem Erstling «Dog eat Dog», der vor zwei Jahren am Thalia-Theater uraufgeführt wurde, ist der Ort der Handlung die Bielefelder Plattenbausiedlung...
Es gibt da diese eine These, die man im letzten Jahr mehr und mehr hörte, sobald die Rede auf Fernsehen und Kino, auf Stars und TV-Sternchen kam. Das Fernsehen sei mittlerweile interessanter, wenn nicht gar «besser» als das Kino. Noch hat diese These mehr den Status eines Gerüchts; man hört das immer wieder, aber man weiß nicht so recht, ob es nun wirklich stimmt....
