Der Starke pflanzt sich fort
«Gutes Viertel» nennt Rebekka Kricheldorf das Ambiente, in dem die Klemmers leben: Patriarch Fabian und sein guter Sohn, der Arzt Ingo mit seiner Psychotherapeutenfreundin Solveig. «Schlechtes Viertel» kommt nur per Fernsehen ins Wohnzimmer. Und in Gestalt von Raul, dem bösen Sohn, der sich vor Jahren aus dem «Mumienviertel» verabschiedet hat, um seinen Vorstellungen von echter, testosterongetriebener Männlichkeit im schlechten Viertel nachzugehen. Einst Legionär, jetzt Auftragskiller. Vater Fabian hat ihn zum Familiengespräch gebeten.
Es geht ums Erben, und der Patriarch hat erwartungsgemäß entschieden: Ingo kriegt alles und Raul den Pfifferling, den er seinem Vater nicht wert ist ...
Die Guten und die Schlechten, Vernunft und Trieb, V-Ausschnitt und Proll-Sonnenbrille: In sauber getrennten Welten beginnt Rebekka Kricheldorfs schwarze Wohnzimmer-Parabel, um sich die nächsten hundert Minuten in flotten Blankversen krachend komisch und alle political correctness sorglos vermeidend der Auflösung und Verwirrung jeder sauberen Zuordnung zu widmen. Shirin Khodadadian hat sich im tif des Staatstheaters Kassel von Ulrike Obermüller das Eichenfurnierwohnzimmer in einen barocken ...
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Theater heute Januar 2013
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Barbara Burckhardt
Der Ausdruck «das Handtuch werfen» stammt aus dem Boxsport. Ein Boxer wirft das Handtuch, wenn er von den Schlägen des Gegners dermaßen demoralisiert ist, dass er keine Chance mehr sieht, das Match zu gewinnen. Die Metapher lässt sich auf den Fall des Düsseldorfer Intendanten nur bedingt übertragen – die offizielle Diagnose lautet ja: «Burnout» –, und doch fragt...
Wenn alle Schlachten zwischen Mensch und Welt geschlagen sind, dann enden große Erzählungen gern jenseits von Raum und Zeit: im Hinterzimmer des Bewusstseins. So war das in Stanley Kubricks «2001: A Space Odyssey» oder in David Lynchs «Twin Peaks» oder letztens in Sebastian Hartmanns Tolstoi-Adaption «Krieg und Frieden» (s. TH 11/2012), als man mit flimmernden...
Woyzeck hat die Falsche umgebracht. Hätte er doch die Hauptmänner genommen, oder Doktoren, oder allen voran den Pfarrer «mit seinem widerwärtigen klerikalen Angstkontrollsystem» (Richter), vielleicht hätte sich dann was geändert. Oder? Falk Richter hat sich in seiner Düsseldorfer «Textperformance» nicht weniger vorgenommen, als Büchners radikales Werk...
