Der Laden gehört uns!
Warum denn immer weiterziehen, wenn man sich als Intendant gerade so hübsch eingerichtet hat? Man kennt die örtliche Kulturpolitik bis zum Du, hat sich in langen Abenden einen ergebenen Freundeskreis des Theaters aufgebaut, die lokalen Honoratioren und Entscheidungsträger fleißig um sich geschart und viele wertvolle Kontakte in der Stadt geknüpft. Auch die Abonnenten fühlen sich bestens umsorgt und fremdeln nicht mehr – alles so schön bequem geworden über die letzten zehn Jahre.
Die eigene Gage ist spätestens seit der ersten Nachverhandlung auch endlich da, wo man sich selbst hinwertschätzt. Vielleicht lockt auch noch eine Nebenerwerbs-Teilzeitprofessur an einer örtlichen Schauspielschule. Und jetzt soll man das Nest, in das man so viel ehrliche Arbeit investiert hat, schon wieder verlassen?
Vor einem halben Jahr ging deshalb Ulrich Khuon als amtierender Bühnenvereinspräsident mit gutem Beispiel voran und hat am Berliner Deutschen Theater beschlossen, nach zehn Jahren noch weitere drei dranzuhängen – spätere Verlängerungen nicht ausgeschlossen. Gerade hat es ihm Joachim Lux am Hamburger Thalia Theater nachgetan und nach ebenfalls einem Jahrzehnt 2019 gleich noch weitere fünf ...
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Theater heute Dezember 2017
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Franz Wille
Neue Stücke
«Philipp Lahm»! Das ist doch mal ein welt- und fußballmenschhaltiger Theaterstücktitel. Klar, «Jerome Boateng» oder «Ilkay Gündogan» wären auch cool gewesen, aber Michel Decar geht es laut Münchner Residenztheater genau um die Lahmsche Tugendkoppelung von Ungeduld und Gleichmut, die einen Monolog lang seine eigene Generation charakterisiert (R:...
Wer immer schon den Verdacht hatte, dass der späte, knurrig-apokalyptische Heiner Müller eigentlich wie ein Whisky-gegerbter Privatdetektiv aus der Schwarzen Serie klingt, darf sich endlich bestätigt fühlen. In Alexander Eisenachs «Die Entführung Europas» dient die Genre-Folie des Crime Noir und eine dürre Rahmenhandlung um eine verschwundene Schöne vor allem zur...
Ende letzten Jahres begab es sich, dass der Spaßmacher Mario Barth für sein RTL-Reporterimitat «Mario Barth deckt auf» die Oper Hannover besuchte. Gerüstet mit fragwürdigen Fakten und schütterem Stammtischwitz wollte er des Steuerzahlers Herzen bis zum Bluthochdruck höherschlagen lassen: Was diese elenden Kulturelitären alles verprassen, von den sauren...
