Vom Zerschmettern der Diamanten
Wenn er langsam sein Maul öffnet, wird klar, dass der Fisch, den der Sushi-Meister gerade ohne Verletzung der inneren Organe kunstvoll filetiert, noch lebt. Selbst in Japan ist diese Art der Zubereitung und der quasi kannibalistische Akt des Verzehrs, den Malte Jaspersen in seinem Radiofeature «Sushi. Vom Erlebnis, in Japan essen zu gehen» (SFB 2001) beschreibt, umstritten.
Es sind solche eindrücklichen Schilderungen, die Jaspersens Arbeiten auszeichnen, weil sie das Fremde als Fremdes in sein Recht setzen – ohne den verständnislos-touristischen oder empört-besserwisserischen Blick auf die Riten fremder Völker.
Malte Jaspersen lebt seit 1989 in Kyoto und hat seit 1991 zahlreiche Radiofeatures über Japan produziert. Das Stück «Slowly we bleed» bildet den Auftakt zur Reihe «Konnichi wa, Japan», die der WDR vom 6. bis 12. Februar zum Ende des Deutschlandjahres in Japan ausstrahlt. Zahlreiche Features und Hörspiele beschäftigen sich mit der japanischen Alltags- und Hochkultur sowie den Beziehungen von fernem Orient und Okzident: von Anime bis Zen, von Nô bis Mozart, von Nippon Soul bis Japan Improv.
Die Kunst des Bauchaufschlitzens
Um den Tod der Kreatur geht es auch in «Slowly we ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Mitglieder der «Symbionese Liberation Army» (SLA) fühlten sich wie Robin Hood. Ob der gute Mensch und Bogenschütze aus den Tiefen des Sherwood Forest allerdings Mitglied der US-amerikanischen Westküstengang hätte sein wollen, darf bezweifelt werden. Wir befinden uns in den siebziger Jahren. Man gab sich linksradikal, überfiel Banken und forderte Lebensmittel...
Verstaubt? Abgenutzt? Klassisch, also wirkungslos? Mitnichten. Edward Albees Drama zum Geschlechterkrieg, 43 Jahre alt, präsentiert sich in Karin Henkels Düsseldorfer Inszenierung vital wie ein junger Hüpfer, urkomisch, bizarr, grausam, provokant. Gut zweieinhalb Stunden Kampftheater, Pointenschlacht, Nervenkrieg, Seelen-Casting. Ein weiteres Highlight im letzten...
Ein Dokumentarfilm über vier Filmschauspielerinnen. Recht junge Schauspielerinnen. Keine über 35. Und auch wenn sie schon allerhand gedreht haben, ist da natürlich kein so genanntes Oeuvre und kann es also nicht um das Was und Wie gehen, um Spiel und Stil. Statt dessen interessiert, ja tatsächlich, die Haltung. Die aber auch kein Warum ist, sondern eher eine...
