Angst als Universalmotor
Das Leiden an sich selbst gehört zu den Lieblingsdisziplinen von Wohlstandsgesellschaften. Wo objektiv die meisten materiellen Bedürfnisse übererfüllt sind, entstehen andere, diffuse Defizite, Zweifel an der eigenen Konsumtauglichkeit, Unlust, sich der Kontrolle und dem Konformitätsdruck der Außenwelt auszuliefern, oder es lauert schlicht die Angst, dass es ohnehin nur noch abwärts gehen kann.
Solcherlei Bedenken dämpfen bereits prophylaktisch die Freude am Gesundsein, was je nach kulturellem Kontext zu sehr unterschiedlichen dramatisch-pathologischen Erscheinungsbildern führt, wie man Ende vergangenen Jahres auf beiden Seiten der Maximilianstraße erleben konnte.
Totalverweigerer im Kinderzimmer
Ein wenig ist es wie der Blick durchs Schlüsselloch in eine sehr fremde Welt, wenn Toshiki Okada an den Münchner Kammerspielen inszeniert. Bereits zum vierten Mal seit 2015 fand unter der Intendanz von Matthias Lilienthal eine west-östliche Kollaboration zwischen dem japanischen Theatermacher (und Begründer der chelfitsch Theater Company) und dem Münchner Ensemble statt. Längst haben die Akteure, allen voran Thomas Hauser, der bei allen Produktionen dabei war, die aus modifizierten ...
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Theater heute Februar 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 17
von Silvia Stammen
Das sagt man gerne so dahin: Beim Geld höre die Freundschaft auf. Für Resi, Mitte 40, ist der Spruch aber bittere Realität geworden. Die Ich-Erzählerin aus Anke Stellings Roman «Schäfchen im Trockenen» wird mit ihrem Künstler-Mann und den vier Kindern von Kumpel Frank schlichtweg vor die Tür gesetzt. Untermietvertrag gekündigt! Rache ist bekanntlich süß. Die...
Ohrenbetäubendes Unheilsdröhnen, Gewitterbeats und elegisches Gewummer. Dazu dreht sich ein metallbeschlagenes viereckiges Monstrum in der Bühnenmitte, um das sich auf Kniehöhe eine kleine Sünderbank schlängelt. Das Licht im neblig trüben Raum kommt nur funzelig von oben und leuchtet steil wie in eine Untergangskathedrale. Drunten auf dem Bühnenboden kringeln und...
Im Schauspiel muss man schauen, lange schauen. Leise rieselt der Schnee auf eine geborstene Villa. Käuzchen schreien, Wölfe heulen, es donnert in der Heimat hinter den Blitzen rot. Stumm stehen die Tannen herum. Eine Lawine hat den Konzertflügel unter sich begraben. Sieben Tote liegen starr im verharschten Firn. Spät kommt das Personal: ein weinendes Kind, eine...
