Miteinander reden und zuhören
Sowohl die lebenden als auch die toten Figuren dieses Stückes sind frei erfunden.» So der Hinweis des Autors. Und doch verweist das neueste Stück von Owen McCafferty auf konkrete gesellschaftspolitische Ereignisse seiner Heimatstadt Belfast. Geschickt verknüpft der Autor in seinem Drama «Quietly», das der erfahrene Übersetzer Michael Raab mit «In aller Ruhe» ins Deutsche übersetzt, unterschiedliche Zeit- und Erzählebenen. Fiktion streift hier unmittelbar Realität, oder anders ausgedrückt, Spiel verarbeitet Lebenserfahrungen.
Es beginnt im Frühjahr 2009 in einer Bar in Belfast zur Zeit des Fußball-WM-Qualifikationsspiels Nordirland gegen Polen. Der junge polnische Einwanderer Robert, der mehr schlecht als recht sein Geld als Barkeeper verdient, erhält eine SMS: «So kann ich nicht leben.» Wie sich später herausstellen wird, ist es seine Frau, die allein – wie so viele Frauen – mit einem Baby auf ihren Mann wartet. Dann betritt der eher wortkarge Jimmy die Bar. Er ist seit Jahrzehnten Stammgast in diesem Pub, hat Belfast nie verlassen, trinkt seine Pints und schaut mehr nebenbei auf das WM-Spiel im Fernseher. Was ihn wirklich interessiert, ist eine Verabredung. Er erwartet Ian, einen ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 191
von Horst Busch
Ich stelle mir ein Theater vor, das mit 500 Menschen in einem Original-Gerichtssaal spielt. Ich stelle mir ein Publikum vor, das als Fahrrad fahrende Horde das Leben in einem Park neu choreografiert. Regisseure, die in den Laboratorien der technischen Universität mit Forschern Holografieperformances entwickeln. Ein Ensemble aus wechselnden Stadtbewohnern, das in...
Am 11. September 1844 kommt ein deutscher Jude aus Rimpar, Bayern, in New York an – Dank sei Gott, Baruch ha Schem. 7.25 Uhr, notiert er in sein Notizbuch mit leicht zittriger Hand, bevor ihn der Einwanderungsbeamte anspricht. Name? Heyum Lehmann. Heyum? Hey ... Henry. «Ok, Henry Lehman: welcome in America. And good luck.» So betritt der erste Lehmann-Bruder als...
Starkes Finish beim Theater des Jahres. Vorjahressieger Münchner Kammerspiele
darf sich über einen sehr verdienten zweiten Platz freuen in der vorletzten Saison von Johan Simons, der schon in jungen Jahren geisterhafte Begegnungen mit legendären Münchner Theatergöttern zu bestehen hatte.
Doch das Rennen ums Theater des Jahres machen die Berliner Newcomer am
Gorki...
