Nürnberg: Respekt? Suspekt!
Elfriede Jelineks Stück «Die Schutzbefohlenen» ist noch keine drei Jahre «alt». Was ist geschehen seither? Allein 2015 ertranken mehr als 3.000 Flüchtlinge im Mittelmeer; europäische Politiker verhandelten in endlosen Sitzungen über das Schicksal von fliehenden Menschen, als wären sie Stückgut, das es zu verfrachten oder zurückzuschicken gilt; und vor ein paar Tagen erst wütete in Clausnitz ein bürgerlicher Mob gegen Fremde und fand in der örtlichen Polizei tatkräftige Unterstützer.
«Wenn Sie Zorn wollen», schreibt Jelinek in einer der Fortschreibungen ihres Dramas, «sollen Sie ihn haben. Ich möchte den Tag erleben, an dem wir keine Sklaven, nein, ich sage es anders, ich sage etwas anderes, den Tag, an dem wir keinen Zorn mehr brauchen …»
Dieser Tag ist fern. Und in Nürnberg erleben wir nun und deshalb einen Abend des Zorns. Bettina Bruinier hat «Die Schutzbefohlenen» inszeniert, und man spürt, dass sie das aus einer Verzweiflung heraus tun musste: Nichts hat sich geändert seit der Uraufführung des Werkes. Oder doch: Es ist alles nur noch schlimmer gekommen. Die farbigen Slow-Motion-Filme, die wie auf einem Fries im Hintergrund der Bühne laufen, zeigen überfüllte, «zitternde» Boote, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2016
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Bernd Noack
Die Preissaison ist wieder in vollem Gang. Seit Anfang Januar haben gut anderthalb Dutzend hochkarätige Ehrenbezeichnungen neue Träger gefunden. Wir gratulieren ausdrücklich: Uta Bierbaum für ihr Stück «die zärtlichkeit der hunde» zum mit 5.000 Euro dotierten Chemnitzer Theaterpreis für junge Dramatik. Thomas Köck zum mit 7.500 Euro dotierten Kleist-Förderpreis...
Im Grunde erzählt Orhan Pamuks Roman «Schnee» eine ganz konkrete Geschichte: Der Schriftsteller Ka kehrt aus dem Exil in eine türkische Kleinstadt zurück, um über eine Suizidserie unter jungen Muslima zu recherchieren, und gerät dabei zwischen die Fronten von laizistischer Staatsmacht und politischem Islam. Alles wird genau beschrieben: das osttürkische Städtchen...
Das Stück «Drei sind wir» von Wolfram Höll aus der aktuellen Ausgabe ist im Browser nicht darstellbar. Abonnenten, die das Stück digital lesen möchten, schicken bitte eine E-Mail an: kontakt@der-theaterverlag.de. Wir senden Ihnen dann das Stück als PDF-Dokument zu.
