Great, Britain!
Schneller reagieren geht nicht: Nur einen Tag nach Ende des «Phone hacking»-Gerichtsverfahrens, das Großbritannien acht Monate in Atem gehalten hatte, verkündete das National Theatre, es habe parallel zum Prozess ein neues Stück geprobt: Richard Beans «Great Britain», inszeniert vom scheidenden NT-Intendanten Nick Hytner, beschäftigt sich mit eben jenem explosiven Skandal um die auflagenstarke «News of the World» des Medienmoguls Rupert Murdoch, um seine Handlanger und die vielen Politiker, die er in die Tasche gesteckt hat.
Paige Britain tritt im exekutiven Minirock mit Killerstilettos an die Rampe und erzählt, woran sie glaubt: «Titten, Bingo und die Todesstrafe für Päderasten». Das ist ihr Great Britain. Sie ist die dynamische Nachrichtenredakteurin beim fiktionalen, sanft ironisch betitelten Sensationsblatt «The Free Press», dessen Leitsatz lautet: «Wir zerstören das Leben anderer Leute für Dich, unseren Leser.» Diesen Spruch machen sich Paige und ihre Kollegen so zu eigen, dass sie Celebrity-Mülltonnen leeren, Polizisten Geld für Informationen zahlen und sich in Anrufbeantworter von königlichem Haushalt, Fernsehstars und Verbrechensopfern einhacken – all dies tatsächlich ...
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Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Ausland, Seite 36
von Patricia Benecke
Wenn Angela Merkel heutzutage Königin Isabella die Katholische ist und Barack Obama König Ferdinand», überlegt der Autor und Regisseur Rodrigo Garcia im Programmbuch des polnischen Theaterfestivals Malta, «dann sind unsere Kuratoren und Experten auf dem Gebiet der Kunst eine spezialisierte Armee im Dienst der Monarchen des Marktes auf der Mission, künstlerische...
Die Nachricht von Gottfried Johns Tod erfuhr ich durch die Medien. Das hätte früher, als wir uns kennenlernten, keiner von uns gedacht, nämlich, dass je einer von uns sterben könnte, ganz zu schweigen davon, dass wir nicht ständig übereinander Bescheid gewusst hätten.
Wir sprachen oft über den Tod, aber ebenso häufig über die Liebe, das Theater, die
Literatur, die...
Als ich den damals noch recht jungen Gert Voss zum ersten Mal ganz bewusst auf der Bühne wahrnahm, war er sehr alt. Ich hatte ihn schon vorher gesehen – so in Claus Peymanns und Achim Freyers Stuttgarter «Faust» von 1977; aber da war er mir nicht wirklich aufgefallen in der Menge der turbulenten Aktionen und Akteure. Am 7. Mai 1982 aber, als «Der Kirschgarten» in...
