Blindgänger, implodiert
Die Verhinderung der Uraufführung von Fassbinders «Der Müll, die Stadt und der Tod» 1985 war einer der wichtigsten öffentlichen Akte der Selbstbehauptung der Juden in Deutschland nach 1945. Die schon vorangegangene Verhinderungsaktionen zeigen aber auch, dass noch weitere Interessen im Spiel waren: Die Stadt Frankfurt wollte diese Art Aufarbeitung des Häuserkampfes nicht zulassen. Noch 1998 scheiterte das Berliner Maxim Gorki Theater daran, das Quasi-Aufführungsverbot des Stückes eines der wichtigsten deutschen Theaterautoren aufzuheben, am Einspruch der jüdischen Gemeinde.
Nun hat Roberto Ciulli mit seinem Mülheimer Theater an der Ruhr den Bann gebrochen und trotz der Proteste der örtlichen jüdischen Gemeinde und des Zentralrats der Juden eine deutsche Erstaufführung herausgebracht. Fassbinder, der Mensch und Autor, steht im Mittelpunkt. Entschärfen wollten Roberto Ciulli und sein Dramaturg Helmut Schäfer das Stück sicher nicht, seine Wahrnehmung ändern aber schon: Sie zeigen, dass es ein anti-antisemitisches Stück ist. Als roter Faden dient die Selbstreflexion des Außenseiters Fassbinder in verschiedenen Rollen: Zunächst in dem frühen Stück «Nur eine Scheibe Brot» von 1966 als ...
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Als im Herbst 1989 die Mauern gen Westen fallen, versammeln sich auch im kleinen dänischen Küstenort Gedser die Leute. Mit Fähnchen und Fanfaren. Sie wollen die Fähre aus Warnemünde in der Freiheit begrüßen. Willkommen, ihr DDR-Bürger, ihr europäischen Nachbarn! Doch als die Brücke heruntergelassen wird, «da latschte der Opa, derselbe, der Woche für Woche, immer am...
Der erste Eindruck ist überwältigend: der Transrapid, der mit kaum gefühltem Tempo 430 ins Zentrum gleitet; Schnellstraßen, die in mehreren Etagen übereinander die Stadt durchschneiden; die glitzernden Fassaden von ein paar hundert der insgesamt 4.000 Wolkenkratzer rechts und links der Highways; grellbunte Werbeblöcke als 24-Stunden-Service vom Taxi-Fernsehen bis...
Der Leibniz-Butterkeks ist eine etwas bröselige Angelegenheit mit strengem Charme. Trocken, fast staubig und sehr haltbar. Geschmack entwickelt sich erst nach längerem Daraufherumkauen oder Eintunken und auch dann nicht zu viel. Manche Schachtel liegt halb angebrochen monatelang im Schrank. Irgendwann kommt ihre Zeit. Ein Dauerkeks. Vielleicht hat ihn der alte...
