Murder stuff und andere Menschheitsträume

Gisèle Vienne, Meg Stuart und BADco. beim Steirischen Herbst in Graz

Theater heute - Logo

This murder stuff turns you on?», vergewissert sich Wayne, bevor er Brad, dem er sich selbst als Mörder vorschlägt, einen Film zeigt, in dem er an der Ermordung eines Teenagers beteiligt ist. Wir befinden uns mitten in Gisèle Viennes Puppenspiel «Jerk» und in einem Text, den der junge Solo-Performer Jonathan Cape­devielle im Publikum verteilt hat.

Waynes Frage an Brad trifft auch Leser und Zuschauer: «Turnt dich dieses Mordszeugs etwa an?!»

Capedevielle, der genauso hübsch und zart aussieht wie die Jungs, von denen er berichtet, hat sich mit scheuem Blick und leiser Stimme als lebenslang Strafgefangener David Brooks vor­gestellt, der aus offenbar therapeutischen Gründen von seinen Taten und denen, die er bezeugt hat, berichtet. Er trägt Jeans, Muskel-Shirt und Springerstiefel, hat einen tragbaren CD-Player mitgebracht und eine Sporttasche, aus der er eine Reihe Handpuppen zieht: schmale Jungs wie er selbst, mit feinen weißen Porzellangesichtern und langem Haar, die Jeans und Kapuzenjacken tragen. Die Bösen tragen Bärchenmasken.
   

Horror in den Köpfen

Die Geschichte von David, Wayne und Dean, die Capedevielle teilweise mit Bauchstimme nacherzählt, ist von unvorstellbarer sexueller ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2008
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Eva Behrendt

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Viele haben ihre Schubladen»

Franz Wille (am Telefon) Hallo Frau Syha, ich habe diese Nummer von Ihrem Theaterverlag, wo sind Sie denn jetzt gerade?

Ulrike Syha In der Casa Baldi, 60 Kilometer von Rom entfernt, sozusagen in der Außenstelle der Villa Massimo.

Fw Dort verleben Sie gerade ein Arbeitsstipendium und schreiben an einem neuen Stück?

Syha Da verbringe ich die Tage und schreibe an einem...

Abfahrt auf der Hirnpiste

Die Legende geht, Alexander Wewerka habe 1983 bei der Gründung und gewerblichen Anmeldung seines Verlags nicht mal einen Namen für dieses Projekt gehabt. Im letzten Moment fiel ihm der eigene Vorname ein und eine Grafik von Roland Topor in die Hand. Der auf einem Gehirn wedelnde Skiläufer wurde, soweit ich das beurteilen kann, zum ungewöhnlichs-ten Logo der...

Frühgeburten, Vorläufer, Puzzleteile

Wer früher stirbt, ist nicht nur länger tot, sondern muss sich auch häufiger wiederentdecken lassen. Nun haben gleich zwei deutsche Theater Frühwerke von Bernard-Marie Koltès für Erstaufführungen aus der Vergessenheit auf die Bühne geholt. In seinen Zwanzigern hatte sich der französische Dichter und Theatermacher mit den großen Antihelden der europäischen Theater-...