Reis für die Welt!
Wer zur Begrüßung auf Blütenkränze und Hula-Mädchen gehofft hatte, wurde enttäuscht. Stattdessen hat sich ein finsteres Empfangskomitee vor der Bühne des Stuttgarter Theaterhauses aufgebaut. Gut ein Dutzend streng dreinschauende Polynesier in Smoking und Abendkleid fixieren zehn Minuten lang das Publikum, so als wolle man gleich einmal klarstellen, dass Südsee-Klischees hier keine Chance haben.
«Paradise», so heißt die Produktion der südpazifischen Tanz-Theater-Truppe MAU mit Sitz in Neuseeland, die das Programm des diesjährigen «Theater der Welt»-Festivals sozusagen vom entlegensten Punkt aus eröffnet – und natürlich ist das Paradies, das hier beschworen wird, ein längst verlorenes, geschändet durch Krieg, Kolonisation und die Atomversuche der Westmächte bis weit in die neunziger Jahre hinein. Doch Lemi Ponifasio, der aus West-Samoa stammende Begründer und Leiter der Gruppe, zielt nicht in erster Linie auf eine politische Abrechnung mit den Besatzern. MAU bedeutet auf Samoanisch «Visionen» und ist zugleich der Name der Befreiungsbewegung, die Western Samoa 1962 nach kurzer deutscher und längerer neuseeländischer Herrschaft als erstem Inselstaat der Südsee zur Unabhängigkeit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2005
Rubrik: Festivals Theater der Welt, Seite 4
von Silvia Stammen
Seit einem Jahr ist Sewan Latchinian Intendant der «Neuen Bühne» in Senftenberg. Abends ist es hier still. Der Senftenberger See, ein ausgekohltes ehemaliges Tagebaurevier (1973 auf staatliche Weisung geflutet), ist mit seinen 1300 Hektar Wasseroberfläche, Tiefe bis 19 Meter, der erste in einer sich weithin verflechtenden Seenkette, die diesem ausgepowerten...
Am 13. März 1938 sollte es zu einer Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Österreichs kommen. Am 10. März setzte Hitler diese Volksabstimmung ab und ließ Pläne für den Einmarsch der deutschen Soldaten in Österreich ausarbeiten. Im «Berchtesgadener Abkommen» vom 12. Februar 1938 hatte der Bundeskanzler Schuschnigg dem Druck Hitlers nachgegeben. Die österreichische...
Auch wenn es für derartige Prognosen vielleicht noch etwas früh ist, Sarah Kanes schmales Werk dürfte aller Voraussicht nach zu dem Wenigen gehören, was von der Dramatik der neunziger Jahre bleiben wird – eine Entwicklung, die es mit sich bringt, dass die fünf Stücke, die zum Zeitpunkt ihrer Entstehung wie explosives Gefahrengut in der schmuddelbunten Welle der...
