Die Höhepunkte des Jahres
... kann sich Karin Beier die Auswertung der Kritikerumfrage 2010 rahmen lassen: Im dritten, auch stadtpolitisch kämpferischen Jahr ihrer Intendanz heben 12 von 42 befragten Kritikern das Schauspiel Köln unangefochten auf den Sockel als Theater des Jahres. Und die Regisseurin Karin Beier gleich mit: Ihre hinter Glas verbannte Prekariatsstudie «Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen» nach Ettore Scolas 70er-Jahre-Film wurde mit 7 Voten zur Inszenierung des Jahres gekürt.
Nicht ganz nach oben schaffte es mit 6 Stimmen der Bühnenbildner der Produktion, Thomas Dreißigacker. Er unterlag knapp dem Vorjahressieger Andreas Kriegenburg, der zu den ebenfalls 6 Stimmen für sein Loher-«Diebe»-Mühlrad im Deutschen Theater Berlin noch eine weitere für sein blutrotes «Prinz-von-Homburg»-Szenario ebenda kassierte und damit wieder zum
Bühnenbildner des Jahres wurde.
Vergleichsweise einig war sich die dieses Jahr recht zerstreute Kritikerschar noch beim dramatischen Teil unserer Umfrage: Mit 15 Voten konnte man sich klar auf Roland Schimmelpfennigs China-Imbiss-Stück «Der Goldene Drache» verständigen, Dea Lohers «Diebe» mussten sich mit 5 Stimmen und dem zweiten Platz als deutschsprachiges ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
1. Teil Spurensuche
Früher begann der Tag mit einer Schusswunde. Im Juni 1967 reist Ernst Wendt für «Theater heute» zur Experimenta nach Frankfurt am Main. Hier sein Bericht aus Heft 7/67:
«Der Schuß, der den Studenten Benno Ohnesorg in den Hinterkopf traf, fiel während der ersten Stunde der Experimenta II, das Stockholmer Scala-Theater zeigte im Theater am Turm...
Sie sind unter uns. Und es sind viele. Sie sehen aus wie wir. Aber sie haben niemals eine Sinfonie gehört, ein Gedicht auswendig gelernt oder ein Theater besucht. Sie schauen fern und freuen sich, wenn in den Nachmittagstalkshows Leute auftreten, die noch blöder sind als sie. Dann fühlen sie sich überlegen und einen Moment lang herausgehoben aus ihrem Alltag aus...
Man kann das «Diebe»-Bühnenbild von Andreas Kriegenburg, dem Bühnenbildner des Jahres, theaterkritisch beschreiben als mächtiges Szenen-Mühlrad, das Dea Lohers Menschen unerbittlich vor sich her treibt. Man kann die riesige Konstruktion aber auch als technische
Herausforderung beschreiben, wie Dr. Gabi Högg von der ausführenden Bühnenbau-Firma Hoag in Moers: «Das...
