Nürnberg: Löcher in der Abwehr
Dass Ultras ihren Fußballclubs nicht nur schaden, sondern ganz im Gegenteil auch behilflich sein können, haben die Fans des 1. FC Nürnberg bewiesen. Sie – und nicht etwa Historiker oder vom Verein bestellte Rechercheure – holten ein lange verschwiegenes Kapitel aus der Geschichte des legendären Clubs hervor und präsentierten es in einer aufsehenerregenden Choreografie im Stadion während eines Spiels.
Erinnert wurde an das Schicksal von Jenö Konrad, der zwei Jahre lang bis 1932 Trainer war, als Jude ins Visier von Julius Streichers antisemitischem Hetzblatt «Der Stürmer» geriet und noch rechtzeitig ins Ausland fliehen konnte, bevor die Nationalsozialisten mehr als Rufmord an ihm begangen hätten. «Der Club war der Erste. Und muss der Erste werden», war Konrads Motto – die nachgeborenen Anhänger bezeugen ihm heute noch ihren Respekt dafür.
Eine gefundene Geschichte für Albert Ostermaier, dem glühendsten Fußballfan unter den deutschsprachigen Dramatikern. An Konrad faszinierte ihn die Persönlichkeit «auch abseits des Fußballs», und dass anhand seines Schicksals sichtbar werde, wie Feindbilder in einer radikalisierten Gesellschaft systematisch aufgebaut werden. «Linke Läufer (Erster ...
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Theater heute November 2016
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Bernd Noack
Wilfried Schulz ist von Dresden nach Düsseldorf geeilt, um das darniederliegende Schauspielhaus endlich wieder wachzuküssen. Allerdings fand er dort er nur eine Tiefgaragen-Baustelle. Jetzt soll es ein lauschiges Zelt richten: der Start am Rhein.
Einer muss es ja machen: «Europa verteidigen»! Das neue Stück von Konstantin Küspert in Bamberg – der Stückabdruck.
Fran...
And on the Thousandth Night» ist, wie das wenige Jahre zuvor entstandene Werk «Quizoola!», ein über wenige Regeln weitergegebenes Ritual von Forced Entertainment. Es erzeugt eine Überfülle von Geschichten, aber keinen Dialog, eine intensive Reaktion der Spieler aufeinander, aber kein Zusammenspiel im konventionellen Sinne. Das im Jahr 2000 zum ersten Mal...
Kaum einmal an diesem Abend steht er still. Er tritt von einem aufs andere Bein. Er tänzelt, trägt in sich eine Unruhe, die ansteckt. Vielleicht, weil es kaum möglich ist, sich mit ihm zu identifizieren, ja, weil man ihm am liebsten gar nicht mehr zuschauen und zuhören würde. Dann etwa, wenn er sich über die Blasen auf seiner Haut auslässt. Und weil man doch...
