Explosionen innerer Welten

Was fehlt? - Jon Fosse «Schlaf», Regie Luc Bondy, Akademietheater, Wiener Festwochen

Theater heute - Logo

Mit Jon Fosses Stücken ist es tricky. Sie klappern und stottern vor sich hin, stapeln Klischees – «Liebe», «Lebensalter», «Tod» etc. –, hangeln sich von Halbsatz zu Halbsatz und fallen bald einmal unter größerem Papiergeraschel völlig in sich zusammen.

Oder aber sie können wunderbare Geheimnisboxen voller Träume vom Leben sein; von der Liebe, ihren Abgründen, Glückseligkeiten und Leerläufen; von den Illusionen des Daseins überhaupt, das sich vor dem dumpfen Hintergrund des Nichts beweglich und bunt abhebt wie ein Feuerwerk der Emotionen und, immer schon verglühend, unausweichlich auf sein Ende zugeht. Fosse gibt Regisseurinnen und Regisseuren einen Spiegel in die Hand; in den Inszenierungen seiner Stücke werden ihre Persönlichkeiten getreulich abgebildet. Bei den einen kommt dann eben bloß Konzept, Design und Gefühlsdürre auf die Bühne. Bei den andern explodieren innere Welten. 
 

Zu dieser letzteren Kategorie gehört, wie sich bei seiner ersten Jon-Fosse-Inszenierung im vergangenen Frühsommer erwies, Luc Bondy. «Schlaf» hieß das Stück, dessen Hohlform Bondy ausgoss mit einem halluzinogenen Elixier. Er schickte zwei Paare – oder sind es mehr? – in eine hypnotische Atmosphäre, die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2007
Rubrik: Theatertreffen, Seite 24
von Barbara Villiger-Heilig

Vergriffen
Weitere Beiträge
Eine Herausforderung

Wer nach einer schnellen, runden, konsumablen «Perser»-Interpretation sucht, die das antike Drama auf ein paar gängige Aktualisierungen herunterbricht und als gutverdauliche 90-Minuten-Terrine serviert, ist mit Dimiter Gotscheffs Inszenierung (siehe TH 11/06) eindeutig schlecht beraten. Keine saloppe Verstehens-Anbiederung, die so tut, als wäre Aischylos’ Tragödie...

In der Wortfabrik

Maeterlinck», Christoph Marthalers neues Stück am Nationaltheater Gent, wirkt wie das Antidot zu «Winch Only» (TH 8-9/06), das er im letzten Jahr in Brüssel herausbrachte. Beides sind schlaftrunkene Welträtsel aus Melancholie und Absurdität: das Leben ein Traum, das Erwachen ein Witz und dazwischen Musik – Belgien scheint dem Schweizer gut zu tun! Doch wo in...

Hybris an der Gü

Wie jede gute Fabel lässt sich auch die des nun 50 Jahre alten «Besuchs der alten Dame» in zwei Sätzen wiedergeben. Als junge Frau wurde Klara Wäscher von ihrem Liebhaber geschwängert, in einem Vaterschaftsprozess gelinkt und ins Elend gestoßen. Jahrzehnte später kehrt sie als Claire Zachanassian ins Städtchen Güllen zurück und verspricht der bankrotten Gemeinde...