Das Spießkäfertum
Für den Start von Kafkas «Verwandlung» am Theater Oberhausen möchte man fast mehrere Paar Augen besitzen: Im flächigen Innenraum eines halbfertigen Hauses ist spießbürgerliches Mobiliar ringsum an den Wänden verteilt (Bühne: Zholdak, Tita Dimova).
Ein langer Tisch ragt mit unzähligen fest installierten Handkameras in den Raum hinein. Hier nehmen die Schauspieler Platz und beginnen sich zu schminken, was man parallel auf Leinwänden über und neben der Bühne verfolgen kann. Knollige Gumminasen werden angeklebt, faulige Stummelzahnreihen im Mund installiert.
Dabei wird in der Nase gepopelt oder sinnlos mit dem Kiefer geklappert. Ein junger Mann mit dunklem Haarschopf und schwarzer Fliege beginnt, ruhig Kafkas «Verwandlung» vorzulesen (Moritz Peschke). Alsbald entpuppt er sich als Gregor Samsa, die grotesken Gruselgestalten mutieren zu seinen Familienmitgliedern.
Der in der Ukraine geborene, inzwischen international arbeitende Regisseur Andriy Zholdak verwandelt die kleinbürgerliche Spießerwelt Kafkas zum tierischen Horrorkabinett. Die entstellten Vater-, Mutter-, Schwesterkreaturen schlurfen, buckeln, springen über die Bühne und verständigen sich über eine befremdliche Lautsprache. ...
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Theater heute Dezember 2014
Rubrik: Chronik: Oberhausen, Seite 60
von Natalie Bloch
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