Überforderung der Perspektivlosen
«Warum eigentlich immer die Türken?», fragt der vierzehnjährige türkische Junge hinter mir leise, dann verfällt er wieder – ebenso wie die restlichen Schüler dreier Schulformen (Haupt- und Realschule und Gymnasium) – in gebanntes Schweigen. Und das für eineinhalb Stunden im Theater. Hut ab.
«Dream Team» von Lutz Hübner schafft es, Jugendliche aus den verschiedensten Milieus zu erreichen – mit lässig unangestrengten Dialogen und einer Grundsituation, die jedem vertraut ist: Überforderung und ihre Folgen.
Tom hat (eher versehentlich) ein iPhone geklaut, und zwar dummerweise das der Tochter seines Chefs, Herrn Schmitz. Das Problem ist, dass dieser ihn auch sofort im Blick hat und ihm mit Rausschmiss droht. Um den Verdacht von sich abzulenken, schmiedet Tom einen Plan, in dem sein gerade aus dem «Bau» entlassener Freund Bruno am Telefon einen Türken spielen soll, der Geld für die iPhone-Übergabe verlangt. Alles scheint zu klappen, doch dann steht plötzlich Herr Schmitz vor der Tür … Bruno sieht bald rot und schlägt zu. So landet Herr Schmitz blutend und gefesselt an der Heizung. Er erkennt, dass den Jungs die ganze Sache komplett aus dem Ruder gelaufen ist und bastelt geistesgegenwärtig ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Man braucht nur einige der Katastrophen, nicht einmal alle, zu rekapitulieren, um zu begreifen, dass Edith Gassion, genannt Piaf, den Schmerz nicht anders bewältigen konnte, als ihn sich aus dem Leib zu singen. Von der Mutter früh verlassen, der Vater Alkoholiker, wuchs sie auf den Straßen heran; mit 17 brachte sie eine Tochter zur Welt, die mit zwei Jahren starb....
Auch wenn die Größenverhältnisse andere sind, so verhält es sich mit dieser Sunnyi Melles auf der Zürcher Pfauenbühne doch gerade so wie mit einer gewissen Nicole Kidman in einem Film namens «Australia»: Da wird eine Diva gewordene Lichtgestalt, ein Geschöpf, an Körper wie an Benehmen ganz und gar vornehm, ein Wesen, so hell und zart und zerbrechlich, plötzlich zur...
Eines Tages, sagt er, habe er sich schlagartig verändert. Das muss wohl wahr sein, denn seither ist er ein pathologischer Fall und in Tschechows Menschenpanorama der einzige tatsächlich Depressive. Heute würde der Hausarzt seines Vertrauens ihm ein Medikament zur Mobilisierung der einschlägigen Neurotransmitter verabreichen, und es ginge ihm etwas besser. Zu Zeiten...
