Die ganz normale Brüchigkeit der Welt
Gehören Sie vielleicht auch zu jenen Zeitgenossen, die ihr Allerwelts-Ich für eine grandiose, singuläre, unverwechselbare Angelegenheit halten? Denken Sie auch, dass Sie mit Ihrer Kleinfamilie, Patchworkbeziehung oder Singledasein und den üblichen Alltagsproblemen ganz uneinholbar einmalig in der Welt stehen? Dass sich jeder für Ihre mickrige Meinung interessieren sollte, was Sie über dieses oder jenes denken? Leiden Sie auch an diesem abendländischen Individualitäts-Größenwahn? Dieser reichlich selbstbesoffene Geisteszustand ist zwar – so viel zu Ihrer Entschuldigung – in alteuro
päischen Gegenden ziemlich verbreitet. Es handelt sich um eine Annahme, an der die örtliche Alltagsnormalität aufruht, und die man hierzulande beinahe für die Natur des Menschen hält. Aber was heißt das schon?
Karin Henkel zeigt, dass es auch anders geht. Wenn sich zum Beispiel nicht wie bei Kleist überschaubare zwei Sosiasse und Amphitryone ihre sogenannte Identität streitig machen, sondern gleich vier oder fünf. Oder wenn dann drei von ihnen über den vierten herfallen oder sich gegenseitig in den Satz fallen, der ja dann auch keinem einen mehr gehört. Selbst althergebrachte Überzeugungen nützen da nicht ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Inszenierungen des Jahres, Seite 124
von Franz Wille
Eine der beglückendsten Lektüren der letzten Jahre war für mich die von John Alec Bakers «The Peregrine» über ein Wanderfalkenpaar im Osten Englands. Baker, der die Falken drei Jahreszeiten lang beobachtete, beschreibt sie mit so leidenschaftlicher Genauigkeit, dass man das Gefühl hat, er identifiziert sich mit ihnen, verschmilzt mit ihnen und beginnt, die Welt von...
Zuerst stellt sich für mich sogleich die Frage, wie der Ort für dieses Traumangebot aussieht. Wo ich bin, ganz real.
Und da tauchen auch schon drei ehrwürdige Hallen auf. Ein Park mit alten Bäumen, einen Biergarten hat es, unmittelbar an einem breiten, langsamen Fluss. Das beeindruckt mich besonders. Ein unbestechlicher Begleiter, Einmitter, Erregungshemmer, der...
Was die Sehnsucht, Theater zu spielen, nährt? Mit welcher Verheißung das Theater verführt – was das ganze «Theater» soll, was es können sollte? Das zu beschreiben, braucht es eine Geschichte, die Geschichte von den blauen Tüchern.
Vor vielen Jahren, mit einem Freund auf einer Fahrt durch die marokkanische Wüste, stand winkend ein alter Mann am Ausgang einer...
