Kreativer Nachweltbedarf

Zürich René Pollesch «Fahrende Frauen»

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Glühlämpchen blinken, die Bodengoldfolie glitzert, der Vorhang spannt sich rot und weiß – eine breit gestreifte Beleidigung für jedes Auge, ausgenommen Freunde der Baumarktmarkise. Ein Theaterstück, das freiwillig in so einem Ambiente spielt, das kann nur schrecklich oder schrecklich lustig sein. Ausgenommen ein Stück von René Pollesch. Das ist dann schrecklich klug und schrecklich lustig zugleich.



Bisher trotzt dieser Autor-Regisseur dem Risiko der Überproduktion, indem er das
Pollesch-Typische erstens geschickt variiert und zweitens mit seinen Texten quer durch die Stadttheaterlandschaft hetzt. Vorgestern WienMünchenBerlinFrankfurt, gestern Freiburg und heute Zürich. «Fahrende Frauen» heißt das Stück, aber das ist nebensächlich, hier geht’s nicht um Zigeunerinnen, hier geht es um die Kreativindustrie.

Die kleinen Schauspieler in ihren Zürcher Zwergenhäusern, die Bert Neumann original-
getreu auf die Pfauenbühne gewürfelt hat, sie streiken. Also müssen die großen Schauspieler überbrücken, Lilith Stangenberg, Carolin Conrad, Franz Beil, am besten mit Thornton Wilder, «Unsere kleine Stadt». Da schubsen sie sich nach draußen, auf die Bühne, zwangsweise, in Buster-Keaton-Manier, dabei ...

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Theater heute August/September 2011
Rubrik: Chronik, Seite 77
von Stephan Reuter

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