Ackerbohnen mit Majoran
»Ralph Peng war schon vorgeburtlich eine erstaunliche Erscheinung: Wie auf dem Ultraschall deutlich sichtbar, hat der kleine Ralph als Embryo seine Zwillingsschwester erwürgt, weil sie sich im Geburtskanal vordrängeln wollte. So beginnt ein Leben aus solidem Wettbewerbsgeist in einem gesunden Ego, das gerne über Fairness nachdenkt. Der kleine Racker entpuppt sich auch sonst als frühreif und talentiert.
Er neigt zur Gewalttätigkeit und verstümmelt seinen Geigenlehrer, vergeht sich an der Babysitterin oder schafft sich als erstes größeres Spielzeug ein Maschinengewehr an, spuckt gerne nationalistische Töne, deutet sich die Wirklichkeit wie sie ihm passt, glänzt mit fünf als Reality-TV-Star mit einer sexistischen Model-Show, in der er seine Mutter zur Miss Universum wählen lässt, schließlich erschossen wird und trotzdem weiterlebt, bis er auf einen gefährlich flimmernden roten Knopf drückt. So weit jedenfalls die Kernhandlung. Falls es noch eines Hinweises bedarf: Es handelt sich bei Marius von Mayenburgs neuem Stück «Peng» um eine Trump-Parodie, die den Donald in die Knie zwingen wird.
All das – und jetzt kommen wir von der Individual- zur Gesellschaftskritik – wird von seinen ...
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Theater heute August/September 2017
Rubrik: Neue Stücke, Seite 32
von Franz Wille
Ah, we’re in Europe now!», ruft Nora Chipaumire, «nobody talks!» Oh ja, wir sind in Europa. Mitten in Europa. In Hannover, genau gesagt, einer ziemlich mittelmäßigen Stadt, wie es später in einem anderen Stück heißen wird, beim Festival Theaterformen. Doch erstmal finden wir uns im Boxring einer Künstlerin wieder, die aus Simbabwe stammt und heute in New York City...
Nein, das muss auch Philipp Ruch, der notorisch rußgeschwärzte Chefagitator des Zentrums für politische Schönheit, zugeben, die Jugend von heute, selbst die bayerische, ist besser als ihr Ruf. Die Nachfrage nach professionell organisiertem Widerstand scheint groß. Bereits am ersten Tag des ominösen «Scholl-2017-Schülerwettbewerbs», zu dem das Berliner...
Das Publikum hat sich zur angekündigten Uhrzeit in der Halle eingefunden und harrt der Dinge. Doch vom «performativen Programm», das hier stattfinden soll, ist weit und breit keine Spur. Nach zehn Minuten wendet sich schließlich eine Frau – anscheinend eine der Künstlerinnen – an die Wartenden. «Are you looking for the performance?», fragt sie freundlich und weist...
