Eier auf Glatzen
Formbewusst in der Arbeit, analytisch scharf im Denken – das sind so Markenzeichen der Regisseurin Thirza Bruncken. Hartnäckiges Pusseln in den Unterschichten des Textes, Insistieren auf der pointierten Gestalt. Hier in Weimar, konfrontiert mit dem betulichen Familienschwank des gerade zwanzigjährigen Goethe, muss ihr die Entschlossenheit zur strengen Form allerdings ziemlich aus den Fugen geraten sein. Allerdings bleibt ihr Misstrauen gegen das Harmoniebedürfnis der kleinen Leute – also das unsrige – radikal.
Diesen ganzen Psycho-Müll, den die dreiköpfige Wirtsfamilie nach jedem Krach eilfertig unter den Teppich zu kehren gewillt ist, wird ihr zum brauchbaren Stoff für die Farce. Schließlich hat Goethe schon in jungen Jahren sein Interesse für die aus Italien herüber schwappende Commedia dell’arte zu Protokoll gegeben, samt karnevalesker und grotesker Elemente. Und in diesem zweiten von insgesamt drei Versuchen, der Story habhaft zu werden, hält er das chaotische Gemütsleben der Figuren mit jambischem Versmaß fein unter Verschluss. Da ist archäologischer Spürsinn gefragt.
In der eher dürftigen Absteige «Zum schwarzen Bären» – Robert Ebelings aufwändig-rustikales Holzmobiliar nimmt ...
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Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Talente, schon die Anfrage brachte mich in Verlegenheit. Was es denn bedeute, in diesem Land talentiert zu sein, ja, dachte ich, sehr interessantes Thema, aber wenn die mich für talentiert halten, dann muss ich mich, wenn ich zusage, ja auch selber für talentiert halten, öffentlich. Ich finde, so was macht man eigentlich...
Für manche war es einer der bewegendsten Momente der diesjährigen Berliner Filmfestspiele: Über den gleichen Teppich, über den in den Vortagen Stars wie George Clooney oder Meryl Streep geschritten waren, liefen nun Andreas Müller und Ilka Welz, die Hauptdarsteller aus Valeska Grisebachs «Sehnsucht». Und die beiden Laienschauspieler aus Brandenburg standen den...
Es war Walter Filz, Preisträger des 50. Hörspielpreises der Kriegsblinden, der 2001 in seiner Dankesrede den Vorstellungen seiner Vorgänger, was denn das Radio sei, nachging. Das Ergebnis war erschütternd. «Eine mechanische Apparatur» sei es, durch das man «eines Tages die Fähigkeit der Wahrnehmung differenzierter Töne» verlieren könnte (Heinz Oskar Wuttig, 1954)....
