Eier auf Glatzen

Goethe «Die Mitschuldigen» (Großes Haus), Steffi Hensel «Utopie unter Palmen»

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Formbewusst in der Arbeit, analytisch scharf im Denken – das sind so Markenzeichen der Regisseurin Thirza Bruncken. Hartnäckiges Pusseln in den Unterschichten des Textes, Insistieren auf der pointierten Gestalt. Hier in Weimar, konfrontiert mit dem betulichen Familienschwank des gerade zwanzigjährigen Goethe, muss ihr die Entschlossenheit zur strengen Form allerdings ziemlich aus den Fugen geraten sein. Allerdings bleibt ihr Miss­trauen gegen das Harmoniebedürfnis der kleinen Leute – also das unsrige – radikal.

Diesen ganzen Psycho-Müll, den die dreiköpfige Wirtsfamilie nach jedem Krach eilfertig unter den Teppich zu kehren gewillt ist, wird ihr zum brauchbaren Stoff für die Farce. Schließlich hat Goethe schon in jungen Jahren sein Interesse für die aus Italien herüber schwappende Commedia dell’arte zu Protokoll gegeben, samt karnevalesker und grotesker Elemente. Und in diesem zweiten von insgesamt drei Versuchen, der Story habhaft zu werden, hält er das chaotische Gemütsleben der Figuren mit jambischem Versmaß fein unter Verschluss. Da ist archäologischer Spürsinn gefragt.
In der eher dürftigen Absteige «Zum schwarzen Bären» – Robert Ebelings aufwändig-rustikales Holzmobiliar nimmt ...

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Theater heute August/September 2006
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Erika Stephan

Vergriffen
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