Foto: Filmpresse Meuser
Kino: Poröses Fabelwesen
In Jan Speckenbachs Filmen wird das Alltägliche mythisch und ästhetisch überformt. Das war schon in «Die Vermissten» (2012) so, als Adoleszenz surreal-dystopisch ausgedeutet wurde. Und es ist in «Freiheit» so, dem neuen Film des Regisseurs, der auch für seine Videoarbeit in Castorf-Inszenierungen bekannt ist.
«Bevor die Seelen der Verstorbenen wiedergeboren werden, müssen sie aus dem Fluss Lethe trinken, um ihre Vergangenheit zu vergessen», ist dem Film als Motto vorangestellt, eine Ansage aus der griechischen Mythologie.
Vom Text vor Flusslandschaft wird ins Wiener Kunsthistorische Museum geschaltet, wo Nora (Johanna Wokalek) sich aus einer geführten Gruppe herausschält und Breughels «Turmbau zu Babel» bestaunt. Im nächsten Bild sitzt sie ziellos im Bus, und auf der Tonspur läuft die Arie «When I am laid in Earth» aus Henry Purcells Oper «Dido und Aeneas» – ein Lied, dessen Ich eigentlich schon tot ist.
Was man umgehend auf Nora übertragen möchte, die ziellos durch den Film wandelt. Mit dem Bus an die Endhaltestelle fährt, um auf die Fahrt zurück zu warten, aus One-Night-Stands flieht, Freunde findet, Freunde verliert, sich von Wien über Bratislava nach Osten bewegt. In der ...
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Theater heute Februar 2018
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Matthias Dell
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