Soll doch der Wind erzählen
Das gängigste Vorurteil über französische Filme lautet: Dort wird immer so viel geredet. Diese Einschätzung hält der filmhistorischen Gesamtbetrachtung nicht unbedingt stand, aber wer die Filme von Eric Rohmer, Jacques Doillon oder Jacques Rivette als «typisch französisch» empfindet, muss zugestehen, dass es bei aller Unterschiedlichkeit der Regisseure doch diesen gemeinsamen Zug gibt: Die Figuren in ihren Filmen reden sich um Kopf und Kragen.
Und sie tun das nicht in Form des sportlich-amüsanten Austauschs von Spritzigkeiten, das die guten amerikanischen Komödien auszeichnet, sondern in eher langen, eher deklamatorischen Erörterungen. Ein großer Teil des breiten Kinopublikums empfindet das als «theatralisch» und drückt damit auch ein gewisses Ressentiment aus. Aber auch ausgesprochene Verehrer von Rohmer oder Rivette geben zu: Die Geschwätzigkeit hat etwas Enervierendes.
Der deutsche Film der letzten Jahre dagegen zeichnet sich dadurch aus, dass in ihm oft und bedeutungsvoll geschwiegen wird. Die Rede ist selbstverständlich nicht von Erfolgskomödien von Bully Herbig oder Otto, sondern vom deutschen Autorenfilm der Gegenwart, und dabei insbesondere von jenen Werken, die unter dem ...
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Sind wir nicht alle ein bisschen Castorp? Blässlich, kränklich, mittelmäßig?
So jedenfalls sieht es die Regisseurin Friederike Heller, die für ihre Version von Thomas Manns «Zauberberg» am Schauspiel Frankfurt das Publikum gleich mitbesetzt hat. Als schweigende Masse darf es dieser Hans Castorp sein, mit dem Mann in seinem Roman den Durchschnitt zum Helden gemacht...
Franz Wille«Der Häßliche» erscheint als ein ganz neuer «Mayenburg», kein ernstes Stück aus den Seelenlandschaften der Zeitgenossen, sondern eine mit trockenen Pointen durchgeschriebene, fast angelsächsische Boulevardmaschine, die schauspielerseits wenig Psychologie braucht, sich sehr ökonomisch über Plot und Pointe vorwärtstreibt. Ein Stück wie fürs Londoner Royal...
Britischer Humor ist einer der besten Exportartikel Englands. Die Comedy-Kultur blüht seit Jahrzehnten, und ein guter Stand-Up-Comedian hat in England Rock-Star-Status und ebensolche Einnahmen – manch einer füllte schon das Wembley-Stadion. Womit man eigentlich zufrieden sein könnte. Kurios also der Trend, dass nicht wenige Stand-Ups das Bedürfnis verspüren, sich...
