Ja, mach nur einen Plan
Bescheidenheit sieht anders aus: Ein brüllend bunter MGM-Löwe auf dem Titel fletscht seine makellosen Eckzähne dem Publikum entgegen. Der Spielzeitprospekt des Zürcher Schauspielhauses ist mit reißerisch noch zurückhaltend beschrieben und legt auch keinen Wert auf lange Haltbarkeit. Papier und Format wie eine Tageszeitung, die Motive im Stil von Bollywood-Plakaten. Dazu für jedes Stück eine kurze Inhaltsangabe und eine Überschrift wie vom «BILD»-Balken.
Auf der mittleren Doppelseite das eindrucksvolle Ensemble im nämlichen Stil porträtiert, unter ihnen ein diabolisch grinsender Michael Maertens mit Piratenbart. Der nicht als Rampenflüchtling bekannte Schauspieler hatte passenderweise unlängst einem «Stern»-Reporter in die Feder diktiert, er sei schließlich nicht Schauspieler geworden, um sich hinter einer Säule zu verstecken.
Das Allerunbescheidenste am auffälligsten Spielzeitheft der neuen Saison ist aber noch etwas ganz anderes: kein einziger zusammenhängender Gedanke! Nicht mal ein zugewandtes Intendantenvorwort! Jede Produktion steht für sich allein, kein Spielplankonzept wird seine Schwimmflügelchen ausbreiten und sie in schwerer See wenigstens in den Pantheon der ...
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Sommer! In diesem Sommer auch in Hamburg», versprach das Internationale Sommerfestival auf Kampnagel seinen Besuchern. Womit man in jahreszeitlicher Hinsicht natürlich wenig falsch machen konnte. Doch nachdem die Sonne das Raumkunst gewordene Fabrikgelände – dekorativ hippes Neonpink über rostender Industrierequisite, das verbleibende Umgebungsgrün mit...
Franz Wille «Der Stein» ist ein weiter Wurf und ziemlicher Brocken: ein deutsches Geschichtsdrama des 20. Jahrhunderts, zumindest der letzten zwei Drittel. Es setzt 1935 ein, und die letzte Station spielt 1993. So etwas hat zumindest seit Heiner Müllers «Wolokolamsker Chaussee» niemand mehr versucht. Wie schreibt man Geschichte?
Marius von Mayenburg Für mich war...
Womöglich hätte Jürgen Berger, Kritiker, Autor dieser Zeitschrift und Theatertreffen-Juror aus dem Badischen, sein erstes aufgeführtes Theaterstück gar nicht geschrieben, wenn er nicht monatelang geglaubt hätte, für den Dramatiker und Regisseur Armin Petras zu recherchieren. Gemeinsam mit dem Gorki-Intendanten war der Journalist vergangenes Jahr in Buenos Aires...
