Stuttgart: Gemeiner Mann – was nun?
«Würde es dich stören, das Handy wegzulegen, wenn wir miteinander sprechen?» – «Mir war nicht klar, dass das ein Gespräch ist» – Das klingt doch nach idealen Voraussetzungen für einen gemeinsamen Urlaub! Der da schulmeistert ist Falk, Philosophieprofessor, intellektueller Machtmensch, Vater zweier Streber, ein Mann mit hoher rhetorischer und ökonomischer Überzeugungskraft.
Die da treffsicher rotzgörig kontert ist Maja, die neue Freundin von Falks Schluffi-Bruder Matze, Bäckereifachverkäuferin, intellektuell und rhetorisch ebenbürtig, ökonomisch unterlegen, ausgestattet mit «Anstand und Klasse». Es ist gerade mal Tag zwei der gemeinsamen Familienbildungsreise durch Japan. Falk, selbst mit Frau und Kindern unterwegs, hatte Matze und Maja dazu eingeladen – und bereut es bereits.
Nis-Momme Stockmanns well-made Play beginnt als schlagfertiger Konversations-Battle auf den Spuren von Yasmina Reza. Genrekonform treibt Stockmann seine Protagonist*innen systematisch in die Enge, hier die Enge eines Tokioter Appartements, bis auch der letzte Rest des dünnen Firnis aus familiärem Goodwill abgeplatzt ist. Darunter lauern Machtstrukturen und Abhängigkeit, vor allem aber ein giftiges ...
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Theater heute April 2019
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Cornelia Fiedler
In einem Leitfaden der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung kann man lesen, derzeit sei bei ungefähr 3,4 Millionen Bundesbürgerinnen und Bundesbürger von einem Alkoholmissbrauch oder einer -abhängigkeit auszugehen. Pro Jahr würden das bis zu 3000 Menschen mit dem Tod bezahlen. Dann folgt eine Anleitung, wie eine sogenannte Intervention ablaufen könnte. Es...
Europa ist immer noch ein großes Wort, eine große Idee, eine, die vielleicht einmal die Nation als Bezugsraum ablösen kann. Wie steht es um die Idee Europa im Jahr 2019? Danach fragt die mehrsprachige KULA-Compagnie im E-Werk des Weimarer Nationaltheaters. «EURoPe – Eine Nationalversammlung» nutzt das Jahr 1919 als Brennglas für Vergangenheit und Zukunft: Die...
Einst, in fordistischer Vorzeit, war die Vorstadt noch ein Versprechen. Jeder Angestellte konnte hier das Leben eines Chefs führen, mit Eigenheim und Carport, Tennisclub und Dinnerparty, mit Gattin auf Liegestuhl und Kindern vorm Fernsehapparat. Ein uniformer Konsumtraum, kollektiv geträumt und massenhaft verwirklicht, der spätestens dann zum Albtraum wurde, wenn...
