Tamtam und Größenwahn

Fortsetzung am Resi mit Neuen Stücken: Auftragswerke von Helmut Krausser und Albert Ostermaier und Dennis Kellys «King Lear»-Aktualisierung «Die Götter weinen»

Theater heute - Logo

Mit neuer Dramatik sind Münchner Theatergänger in den letzten Jahren nicht allzu oft konfrontiert worden. Johan Simons pflegt an den Kammerspielen als Uraufführungen, ganz im Stil des Vorgängers Frank Baumbauer, vor allem Roman- und Filmbearbeitungen, wenn sich nicht gerade ein neues Werk von Elfriede Jelinek oder René Pollesch bietet oder Sebas­tian Nübling Lust auf Neues hat (Zaimoglus «Alpsegen» und jetzt Simon Stephens’ «Three Kingdoms»). Und Dieter Dorns klassizistisches Residenztheater konnte mit neuen Stücken fast gar nichts anfangen.

Das Feld liegt ziemlich brach, und Dorn-Nachfolger Martin Kusej hat in seinem Neuerungsehrgeiz angekündigt, es künftig wieder zu bewirtschaften.


Die Schauspieler sind nicht da


Das ist erfreulich. Kurios allerdings, dass die allererste Uraufführung am neugedachten Haus eigentlich nur höchst rudimentär im Theater stattfand. Was Helmut Krausser sich mit «Eyja­fjallajökull-Tam-Tam» auftragsgemäß hat einfallen lassen, ist ein simultanes Szenenpanoptikum, das seiner eigentlichen Bestimmung erst im Internet zugeführt wird: die Präsentation des nagelneuen Ensembles, das größte in Deutschland. Ein Stück mit 55 Rollen sollte Krausser schreiben; das ist ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2011
Rubrik: STARTS/AUFFÜHRUNGEN, Seite 9
von Barbara Burckhardt

Weitere Beiträge
Kämpfer und Märtyrer

Kein Konflikt auf dem Globus zieht mehr internationale Aufmerksamkeit auf sich als der zwischen Israelis und Palästinensern, kaum ein anderer ist so kompliziert, ist bis zur Undurchschaubarkeit verworren. Und doch löst gerade dieser Dauerbrenner unter den weltpolitischen Krisenherden in der internationalen Öffentlichkeit besonders heftige Bedürfnisse nach...

Auf Goldgrund

Seinen Segen hatte Staffan Valdemar Holm schon gespendet, bevor er selbst die höheren Weihen empfangen konnte. Auf einem Video sieht man den 1958 geborenen Holm, der zuvor Intendant in Malmö und am Stockholmer Dramaten war, als Pfarrer, der die Beerdigung von «Michel Houellebecq» geistlich begleitet, wie es Michel Houellebecq für sein literarisches Alter Ego in...

(Hör-)Bücher für den Weihnachtstisch

Auch wenn der Betrieb gerne lacht über Andrea Breths Ansicht, die Probe sei heilig wie die Kirche, so trifft Breths Zustandsbeschreibung dennoch auf fast alle zu. Konklave würde es noch besser treffen, weil der Zutritt stets streng beschränkt bleibt und am Ende selige Gesichter erscheinen: Habemus Premiere. Wie sehr die Probe (oder dieser Band bereits im...