Düsseldorf: Film und Theater
Filme auf dem Theater haben den Vorteil der geschlossenen Erzählung, die das Publikum schätzt, die das Theater, das sich um avancierte Zeitgenossenschaft bemüht, aber hinter sich gelassen hat. Filme auf dem Theater haben den Vorteil, dass das Theater an einem theaterfremden Stoff alle seine vielfältigen Mittel der ästhetischen Brechung linearer Narrativität einsetzen kann. Filme auf dem Theater sind theatrale Leistungsshows, sie können zeigen, was der Film alles nicht kann. Aber sie sind auch ein heimliches Eingeständnis der Inferiorität des Mediums Theater.
Filme auf dem Theater nutzen die Popularität des Kinos zur Zweitverwertung. Es bleibt immer ein Geruch von Second-Hand-Ware.
Zwei leicht unterschiedliche Strategien kann man in Düsseldorf sehen: offensive und defensive Theatralisierung von Filmstoffen. Roger Vontobels Inszenierung einer Bühnenfassung von Chuk Palahniuks Roman «Fight Club» bzw. dessen Verfilmung von David Fincher (1999) stellt heraus: Dies ist Theater. «Ich bin nicht Brad Pitt», ist der erste Satz des Abends. Die Bühne in der Ausweichspielstätte Central ist ein Quadrat, umgeben von einem Karree aus Zuschauertribünen wie bei einem Boxring (Bühne: Fabian ...
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Theater heute Juli 2019
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Gerhard Preußer
Michael Merschmeier Sie schreiben in Ihrem autobiografischen Buch «Ich stehe zur Verfügung»: «Kuhstall war der eine Geruch meiner Kindheit, der andere war Weihrauch.»
Peter Simonischek Schreib ich das wirklich? (lacht laut)
MM Tun Sie. Kuhstall und Kirche vermitteln Geborgenheit, Gemeinschaftsgefühle. Ein gutes Ensemble kann auch eine Gesellschaft wie eine...
SZENE 1 – Niels Monolog
Niels Hallo, guten Abend, mein Name ist Niels Bormann.
Ich möchte mich ganz kurz vorab entschuldigen, dass hier heute ein Stück mit Israelis, Palästinensern und Deutschen stattfindet, das wir schon vor 10 Jahren gemacht haben. Das ist nicht schön. Das tut mir wirklich leid!
Damals an der Schaubühne habe ich damit angefangen, dass ich mich für...
Till (Stefan Vogl) ist «ein Kunde». Diese aus konsumgesellschaftlicher Sicht maximal missverständliche Vokabel bezeichnete im DDR-Idiom ungefähr das, was heute den Nerd mit dem Aussteiger verbindet. Der realsozialistische «Kunde» trug gemeinhin eine Langhaarfrisur zum Parka und lag sowohl mit fragwürdigen Kollektiv-Erziehungsberechtigten wie der Pionierleiterin im...
