Belanglos in Boston

Richard Dresser «Schüsse ins Herz»

Theater heute - Logo

Steht bei den Angaben zum Autor, er habe gleich für sein erstes Stück einen Preis erhalten, wird aber nicht preisgegeben, welcher Preis das genau war, gerät man ins Grübeln. Im Falle des 53-jährigen amerikanischen Theaterautors Richard Dresser hält das Grübeln während der Lektüre von «Schüsse ins Herz» an. Geschrieben hat er die Beziehungskomödie 1997. Sein Strickmuster: Man nehme ein getrenntes Paar, das sich mit den jeweils neuen Partnern zum Geburtstag des gemeinsamen Sohnes trifft.

Dann lasse man den Sohn ausbleiben und die vier so lange quatschen, bis klar wird, dass das Paar nach der Trennung unglücklicher ist als zuvor. Sie heißt Evie, ist zickig und scheint zum Haus des Ex in der Nähe von Boston nur zu reisen, um ihn zurückzuerobern. Den neuen Lover, einen gewissen Carter, hat sie bereits wieder satt, was man insofern verstehen kann, als Dresser ihm lediglich ein Bühnenleben als Trottel zugesteht. Ex Duncan dagegen trägt das Herz auf dem rechten Fleck und hat einen gewissen Hang zur direkten Ansprache. Duncans Neue wiederum, die wesentlich jüngere Caitlin, scheint ihn lediglich als zeitweilige Gefühlsversicherung zu benutzen. 

So weit, so schlicht. Man wundert sich, wie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2005
Rubrik: Chronik, Seite 37
von Jürgen Berger

Vergriffen
Weitere Beiträge
Noch kollektivere Kollektive!

Diesen Herbst herrschte in London eine relative New-Writing-Flaute. Außer einer Überraschung kaum ein well written well-written-play in Sicht. Um dem legendär schlechten englischen Wetter gen Jahresende zu entkommen, bot das Londoner Theater stattdessen relativ exotische Ausflugsziele an: die Berge von Theben, eine gute Stube im revolutionären Russland, einen...

Napoleon vor Berlin

Das Verhängnis des Potsdamer Theaters nach 1945 war, dass es gar kein Theater gab. Jahrzehntelang fanden Schauspiel, Oper und Ballett in einem umfunktionierten Tanzsaal statt. Als man sich Ende der Achtziger angesichts bedrohlicher Baufälligkeit endlich zu einem Neubau aufgerafft hatte, kam die Wende dazwischen. Den halbfertigen Rohbau ließ die Stadt schließlich...

Sechs Stunden Deutsch

Mehr Patriotismus!» wird jetzt allenthalben von uns verlangt, und es klingt, als sei unser gutes altes Abendland deutscher Nation schwer in der Defensive. Ringsum – und mittendrin – nichts als Parallelgesellschaften und Multikulti, ganz zu schweigen von der islamistischen, terroristischen, fundamentalistischen Bedrohung. Die Gesellschaft, heißt es von Seiten der...