Der etwas härtere Junge

Menschen wie Frank Büttner haben die Berliner Volksbühne, eines der beiden Theater des Jahres, mit zu einem besonderen Ort gemacht

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In Pier Paolo Pasolinis Jesus-Film «Das 1. Evangelium – Matthäus» fährt die Kamera immer wieder langsam über die Gesichter derer, die gekommen sind, um Jesus zuzuhören. Pasolini hat seine Komparsen in Südtalien gecastet, einfache Männer aus der Basilicata, Hilfsarbeiter, Bauern, Tagediebe. Das Leben und die Sonne haben ihre Physiognomien verschieden geprägt, manche sind ebenmäßig, andere nicht; man kann an ihnen studieren, wie vielfältig Schönheit sein kann und wie schön Eigenart ist.

Frank Castorf hat in seinem Volksbühnen-Ensemble durch wechselhafte Zeiten immer wieder ganz ähnliche Visagen versammelt: zarte und zerknautschte, aufgedunsene und ausgezehrte, vor allem aber unbedingt eigenwillige. 

Frank Büttner hat so ein Gesicht, das viel erzählt. Ein Gesicht «mit Biografie», wie er selber sagt. Wie ein Vexierbild ist es im direkten Kontakt offen, freundlich, schelmisch, während es aus der Ferne und auf der Bühne entschlossen, brutal und ultramännlich wirken kann. Dazu kommt Büttners markante Stimme, die immer ein bisschen so klingt, als würde gerade jemand an seinen Stimmbändern Schweißarbeiten durchführen. Frank Castorf besetzt den muskulösen Büttner häufig entsprechend – in ...

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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Die Theater des Jahres, Seite 120
von Eva Behrendt

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