Armutszeugnis Deutschland
Die Säule, an der ich hier stehe, stützt und ziert zugleich seit fast 800 Jahren den Kreuzgang des Naumburger Doms. Sie ist Bestandteil einer über Jahrtausende gewachsenen Kulturlandschaft an Saale und Unstrut. Hier schlug im 13. Jahrhundert der Naumburger Meister seine Bildvisionen in Stein. Hier ätzte Max Klinger seine letzten Radierungen. Hier drückten Nietzsche, Fichte und Klopstock die Schulbank. Und hier steht das kleinste Stadttheater Deutschlands, das Theater Naumburg.
Nur drei Spielzeiten hat es gedauert, um mit zwölf Mitarbeitern aus einem spezialisierten Puppentheater ein Stadttheater für alle Generationen aufzubauen. Mit Schauspiel, Figurentheater, Tanz- und Musiktheaterprojekten, Straßen- und Sommertheater, durch Kooperationen mit kulturellen Partnern, eine aktive Theaterpädagogik und viele neue Formate ist die Bevölkerung vom Theaterfieber erfasst worden. Zuschauerzahlen und Einnahmen steigen Jahr für Jahr. Die Lust auf Theater ist entbrannt. Eine Erfolgsbilanz, die Ideenreichtum, Qualität und Disziplin zu verdanken ist. Und die von der grundsätzlichen Vision getragen wird, einen Beitrag dazu zu leisten, eine Kulturlandschaft weiterzuentwickeln.
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Theater heute Januar 2013
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Susanne Schulz
Im Kaiserslauterer Pfalztheater gab es zu dieser Spielzeit einen Führungswechsel. Für den scheidenden Intendanten Johannes Reitmeier kam Urs Häberli. Der neue Schauspielchef heißt Harald Demmer und kündigt in seiner ersten Spielzeit als Spartenleiter Premieren wie Elfriede Jelineks «Winterreise» und direkt zum Auftakt Felicia Zellers «Kaspar Häuser Meer» an. Man...
Woyzeck hat die Falsche umgebracht. Hätte er doch die Hauptmänner genommen, oder Doktoren, oder allen voran den Pfarrer «mit seinem widerwärtigen klerikalen Angstkontrollsystem» (Richter), vielleicht hätte sich dann was geändert. Oder? Falk Richter hat sich in seiner Düsseldorfer «Textperformance» nicht weniger vorgenommen, als Büchners radikales Werk...
Manchmal liegen nur ein paar Zentimeter zwischen Komödie und Tragödie. In Anton Tschechows «Onkel Wanja» zum Beispiel greift der Titelheld am Ende des dritten Akts zur Flinte und schießt zwei Mal auf seinen Schwager. Träfe er, wäre das Stück eine Tragödie. Weil er aber daneben schießt, ist es eine Komödie.
Die Schuss-Szene stellt Matthias Hartmann seiner...
