Gut geölter Niedergang

Marcel Luxinger «Fahrstuhl zum Bankrott»

Theater heute - Logo

«Fahrstuhl zum Schafott», das Debüt des französischen Filmregisseurs Louis Malle, ein mit einer wundervoll coolen Jazzmusik unterlegter später Beitrag zum Film Noir, hat offenbar Pate gestanden für Marcel Luxingers in Bochum uraufgeführte Wirtschaftskrisenfarce «Fahrstuhl zum Bankrott» – allerdings nur, was den Titel betrifft. Darüber hinaus hat der wenig zimper­liche Humor des Schweizer Autors mit dem subtilen Schwarzweiß-Melodram des Franzosen nichts gemein.

 

Luxinger hat sich den unaufhaltsamen Niedergang eines mittelständischen Traditionsunternehmens vorgeknüpft, das eben Fahrstühle produziert. Bereits in der ersten Szene fällt der Seniorchef der Firma krachend vom Rollstuhl und überlässt deren weiteres Schicksal seinen Neffen, dem sensiblen Daniel (Oliver Möller) und dem smarten Lars-Robert, Chefarzt einer sogenannten Renaturalisierungsklinik (Leopold Hornung). Beide haben vom operativen Geschäft keine Ahnung und beauftragen eine Freelance-Analystin namens Munteanu (Evamaria Salcher) damit, die Sanierung der maroden Firma in ihre Hände zu nehmen. Der Name der Dame verweist auf ominöse Beziehungen nach Transsylvanien oder Translirien, wie es hier heißt, die im vorletzten Akt des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2009
Rubrik: Chronik, Seite 73
von Martin Krumbholz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Planet Aura

Des Menschen Aufbruch zu neuen Ufern kann grandiose Entdeckungen, blühenden Handel und bahnbrechende Erkenntnisse zur Folge haben. Meistens und zuallererst bewirkt er aber auch: Gewalt und Chaos. Und sei es nur das Gefühlschaos, das Francesco Cavallis barocke Oper «La Didone» (1641) in wohlgesetzten Arien anrichtet. Als der trojanische Prinz Aeneas auf dem langen...

Umarmung für alle

Die Stimme kommt einem so bekannt vor. Ist das nicht …? Doch, das ist er: Stefan Schmidtke, der Direktor des Festivals Thea­terformen in den Jahren 2007 und 2008. Vor Schmidtkes Amtsantritt hätte das hannoversch-braunschweigische Festival beinahe einen schönen Sparposten im Kulturetat der niedersächsischen Landesregierung abgegeben – dann aber wurde es, besonders...

Urnenasche

Der Sensenmann ist schon da. Sportiv schwingt er im Mainzer TiC sein Instrument, das mikrofonverstärkt zischt, während um ihn herum das Chaos regiert. Drei Frauen haben es angerichtet, die in ihrer Wohnhölle ein letztes Mal Familie zelebrieren, bevor das Haus verkauft ist und eine neureiche Russin einzieht. Die Mutter schwelgt in Fotoerinnerungen, die zwei Töchter...