Lukas Bärfuss: Der Elefantengeist

© Hartmann & Stauffacher Verlag 2018

Theater heute - Logo

Figuren:

 

Dr. Viktoria
Dr. Jacques
Dr. Martin
Johanna
Dr. Matthias
Dr. László
Dr. Eddie

Im Park und auf der Veranda vor dem einstigen Kanzlerbungalow in Bonn.

 

PROSZENIUM

 

Dr. Matthias Gefährten. Freunde. Wir haben die Ruinen Bonns erreicht. Das Kleinod an den Rheinauen. Wir sind am Ziel. Die Expedition ist als eines vom Main an die Mosel gezogen.

Als eines haben wir die Nächte unter dem Firmament verbracht. Als eines hat uns das Gewitter überrascht auf dem Brocken, zu Ostern noch, an der Lahn, stapften wir durch frischen Schnee. Die Sonne hat uns an manchem Tag die Köpfe verbrannt. Ich bin froh um jeden dieser Tage, um jede Schwierigkeit, die ich mit Euch gemeinsam überwinden konnte. Von Euch habe ich gelernt, was Freundschaft ist.
Dr. Eddie Und wir von Ihnen, was lange Reden sind.
Dr. Jacques Dann schlagen wir die Zelte auf.
Dr. Matthias Mit eurem Einverständnis sehen wir uns erst die Gegend an. Die größten Schätze der Vergangenheit warten auf uns. Der Ruhm der Archäologie. Hier stand einst die Hauptstadt eines Staates. Stimmt es nicht, Dr. Viktoria.
Dr. Viktoria Für eine kurze Zeit im zwanzigsten Jahrhundert. Nach dem Krieg, als Deutschland geteilt war.
Dr. Martin Das zwanzigste ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2018
Rubrik: Stückabdruck, Seite 99
von

Weitere Beiträge
Zürich: Allgemeine Staatsfäulnis

Von diesem Schatten geht nichts Gutes aus. Mondbleich starren die Schlosswächter aus ihrem Ausguckkasten heraus auf das Phantom, das über die nachtschwarze Zürcher Pfauenbühne schleicht. Polonius (Gottfried Breitfuß) steht dabei, Horatio auch (Edmund Telgenkämper), keinem will sich die Erscheinung erklären. Es ist der Geist der Endzeit, der hier umgeht. Das...

Saarbrücken: Nah bei K.

Ein Herrenanzug auf einem Tisch. Sechs Männer und eine Frau, allesamt stummfilmhaft geschminkt und in weißer Feinripp-Unterwäsche, zupfen an ihm herum, bringen ihn allmählich zum Tanzen. Dann stülpen sie den Anzug einem von sich über, dem staunenden jungen Mann mit der Stirnlocke. Und im Handumdrehen ist er zum Protagonisten in Kafkas Erzählung «Das Urteil»...

Disziplin oder Konsequenz?

Mit Ignaz Kirchner stand ich in einer Gosch-Inszenierung von «Warten auf Godot» in Köln auf der Bühne, als Godot tatsächlich kam. Wir waren erlöst, bis sich dieser Kölner Godot – naturgemäß! – als Studenten-Ulk entpuppte.

Erst einmal stürmte ich hinter den Schmuckvorhang zum wartenden Ignaz. «Ignaz! Wir können in die ‹Glocke›, Milch trinken, Godot ist gekommen....