Sinn ist auch nur eine Sucht
Irgendwann Ende der 90er, Anfang der Nuller Jahre war Benjamin von Stuckrad-Barre, dieser deutsche Namenswitz aus Rotenburg an der Wümme, Pastorensohn, Schulversager und Udo-Lindenberg-Fan, tatsächlich ganz oben. Als Spezialist im «Hineinschlawinern» in hippe Locations hatte er es vom pickeligen Oberschüler innerhalb kürzester Zeit zum «Rolling Stone»-Redakteur, Musikproduzenten, Schmidt-Show-Gagschreiber, Bestsellerautor und Talkshow-Dauergast gebracht.
Die jeweiligen Aufenthalte waren immer gerade eben kurz genug, um vorm Auffliegen wegen Inkompetenz, Chaos oder sonstiger Hochstapelei unter heftigem Visitenkarten-Gewedel eben noch den Absprung zur nächsthöheren Berufung zu schaffen.
Da träumt einer den Traum von Großstadt, Ruhm, Erfolg und aufregendem Leben, das immer irgendwo anders ist, erst in Göttingen, dann Hamburg, dann Berlin, Köln, schließlich Zürich oder Hollywood. Und überall, wo er hinkommt, ist es nur genauso piefig und provinziell wie da, wo er losgelaufen ist. Die «Rolling Stone»-Redaktion – ein müder, vertrashter Zwei-Mann-Altherrenbetrieb. Die Schmidt-Show – ein chefhöriger Witzelieferanten-Verein aus lauter kleinen Harald Schmidts. Das legendäre Film- und ...
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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 31
von Franz Wille
Gibt es in diesem Jahr denn also weniger Technik? Das war die letzte und weitreichendste Frage auf der Programm-Pressekonferenz im Januar, auf der die Theatertreffen-Jury ihre Auswahl präsentierte. Die leidige Technik. Als Chiffre steht sie für alles, was am Theatertreffen im Vorjahr (bei größtenteils gleicher Jury-Besetzung) sowohl gefeiert wie moniert wurde: die...
«Empört euch!», dieser Appell war 2010 noch positiv besetzt, als Stéphane Hessel, UN-Diplomat und ehemaliger Résistance-Kämpfer, seinen gleichnamigen Essay veröffentlichte. Aus heutiger Sicht ist die Wortwahl ein ziemlicher Fail. Empörung ist in den sozialen Netzwerken zur Standardtonalität geworden. Im Normalfall verpufft sie dort, im schlechtesten führt sie zur...
Eines der hartnäckigsten Gerüchte über Isländer lautet, dass man es hier mit einem irgendwie mythendurchtränkten Menschenschlag zu tun habe. Jede neu zu bauende Straße müsse von einem Elfenexperten abgenommen werden, heißt es, und der müsse die Naturgeister erst einmal besänftigen, damit diese das Neubauprojekt akzeptieren. Die isländische Tourismuswirtschaft lebt...
