Stuttgart: Noch zu retten?

Oliver Frljic «Imaginary Europe» (U), Shakespeare «Othello»

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Die beste Szene wird man als Foto nirgends sehen: Das Ensemble steht splitternackt vorm Publikum und fordert es zu Atemübungen auf. Es geht um dieses «Wir lieben uns alle»-Atmen: «Wir sind Europa und niemand sonst. Wir stehen zusammen, nichts kann uns zerstören.» Ironie entlarvt Esoterik als Flucht in die kollektive Verantwortungslosigkeit: «Du hast es dir verdient: die Sterne am Himmel, die Blumen auf den Wiesen, die Vögel in den Bäumen und die kleinen Bienen ohne Stiche.

» Will sagen: Nichts hast du dir verdient, du wohlständiges Deutschland, du phlegmatisches Bürgertum, du Theaterhocker. Deine und Europas Geschichte erwächst aus Morden, Ausbeutung, Unterdrückung. 

Mit «Imaginary Europe» hat das Schauspiel Stuttgart im Kammertheater jetzt ein hehres zweijähriges Projekt gestartet. Es ist die erste von sechs Produktionen des Europa Ensembles, das im letzten Sommer gemeinsam mit dem Warschauer Nowy Teatr und dem kroatischen Zagrebacko kazalište mladih gegründet wurde. Man will im Namen Europas ein Theater machen, «das Utopien schafft inmitten der Realpolitik». Man will dem Brexit trotzen, den neuen Mauern, den Rechtspopulisten, um zurückzufinden zum Geist europäischer ...

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Theater heute Juni 2019
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Verena Großkreutz

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