Den Schmerz verwandeln

Das Berliner Theatertreffen im schönen Monat Mai ist der heilige Gral des deutschsprachigen Theaters: geliebt und gehasst, beschworen und verdammt, aber noch von seinen größten Skeptikern unermüdlich und ausdauernd gesucht. Im Zentrum stehen zehn Inszenierungen, die eine unabhängige Kritiker-Jury zu den bemerkenswertesten der Saison erklärt. So ein Kunsturteil ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen und kann trotzdem nicht unwidersprochen bleiben: Ein persönlicher Programm-Durchlauf der Neu-Jurorin Eva Behrendt stellt die Glorreichen Zehn vor, gefolgt von neun Gegenvorschlägen freundlicher Kritikerkollegen. Aber zuerst das Porträt einer großen Schauspielerin, die im Lauf ihrer 50 Bühnenjahre schon in zahlreichen Inszenierungen nach Berlin eingeladen wurde, jetzt als Shakespeares «Sturm»- und-Insel-Herrscher Prospero: Hildegard Schmahl

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Die Urszene? Vielleicht diese (schwarz-weiß): ein kleines Mädchen auf einem Schulhof, Hamburg, späte 40er Jahre. Zöpfe wahrscheinlich, ein klares, norddeutsches Gesicht, blaue Augen, breite Wangenknochen. Die Nase blutet. Sie hat sich geprügelt, und ist doch eigentlich ein liebes Mädchen, geprügelt um eine Rolle, die erste ihres Lebens: Hauptvögelchen in «Hüang und das Vögelchen», ein Schulspiel.

Sie ist in der dritten Klasse und spielt das Haupt­vögelchen, nicht weil sie so gut prügeln kann, sondern weil sie etwas hat, was man nicht erklären kann, aber wahrscheinlich schon bei Acht­jährigen sieht: Präsenz, Anmut, Unübersehbarkeit auf einer Bühne. Als sie ein Jahr später auf die Oberschule kommt, schreibt sie ihren Berufswunsch auf: «Schauspielerin, von allen geliebt und geehrt».
 

Urszenen sind keine Anekdoten. Anekdoten, wenn Hildegard Schmahl sie erzählt, sind aber auch keine Vignetten zur Verschönerung einer Biografie, die man sich gern selber glauben würde. Sondern Erzählfragmente eines Lebens, das sich seiner selbst bewusst geworden ist und dass sie vor der faszinierten Zuhörerin manchmal wie mit einem Staunen offenlegt. Aber: Nicht alles geht alle an. 
 

Denn in wirklichen ...

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Theater heute Mai 2008
Rubrik: Theatertreffen 08, Seite 4
von Barbara Burckhardt

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