Die Revolution ist kein Gelage
Man hat in Ivo van Hoves Molière-Inszenierung verdächtig viel Zeit, sich über die Requisite Gedanken zu machen. Zum Beispiel über das Party-Buffet, das die schicke Clique des It-Girls Célimène an einem Freitagabend auf ihrem Wohnzimmertisch auspackt.
Ist es plausibel, dass diese gut gekleideten Yuppies, die ständig auf teuren Mobiltelefonen und Handrechnern online sind, sich mit Junkfood von Lidl zufrieden geben? Wäre nicht ein ordentlich selbstgekochtes Menü in dieser mit Realismus-Zeichen nicht knausernden Inzenierung realistischer? Oder wenigstens ein Einkauf im Biosupermarkt? Und wieso sind die vier Müllbeutel, die Célimènes eifersüchtiger Verehrer Alceste nach seinem wütenden Ausbruch auf die echte Straße vor der Berliner Schaubühne direkt aus der nächsten Tonne auf die Bühne zerrt, anscheinend identisch und nicht ohne Sorgfalt gepackt? Weil wirkliche Scherben, tote Tiere oder Babywindeln eine Zufallsgefahrenquelle wären, in der Schauspieler sich lieber nicht wälzen sollten?
Die reifere Jugend von heute
Zunächst unternimmt der belgische Regisseur Ivo van Hove ja nichts Anrüchiges, wenn er Molières Komödienklassiker behandelt, als wärs ein Stück über uns und heute. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Bernd NoackHerr Kusenberg, wir stehen hier in einem lichten Foyer, das über drei Stockwerke geht – wahrhaft großstädtische Ausmaße. Alles ist hell, weitläufig, einladend: kein Vergleich zum Muff von früher...
Klaus KusenbergJa, da stolperte man durch Pfützen, bevor man überhaupt ans Schauspielhaus kam, das wiederum schlecht beleuchtet war, man fand es kaum. Und man...
Hier ist die Moderne sonst wohl nicht zu Hause: in Sao Jose do Rio Preto im brasilianischen Bundesstaat Sao Paulo, über 400 Kilometer weit weg von der Metropole. Die leistet sich zwar auch jetzt gerade wieder die international renommierte Biennale – wer aber Theaterfestivals von Rang sucht, muss sich aufmachen ins «Interior», ins Hinterland der großen Stadt. Sao...
Schlendert man mal nicht nur schaufensterbummelnd, sondern auf der Suche nach dem «Theater der Stadt» über Münchens Edelboulevard Maximilianstraße, muss man schon genau hinschauen, um nicht an den beiden tunnelartigen Eingängen ins Foyer der Kammerspiele vorbeizugehen. In der neogotischen Fassadenherrlichkeit kommt das Theater nicht vor, und oft genug findet...
