Avantgarde! Subversion! Testosteron!
Auch wenn es nicht immer danach aussieht, hat das Theaterkritikerleben durchaus seine angenehmen Seiten. Was bis dato allerdings wirklich nicht dazu gehörte, ist ein chronisch erhöhter mentaler Wellness-Faktor.
Mit meinem Eintritt in die Jury des Impulse-Festivals vor zwei Jahren hat sich das fundamental geändert.
Während sich zum Beispiel das Auswahlgremium fürs Theatertreffen kaum, dass die Berliner Festspiele die Liste rundgemailt haben, auf Schritt und Tritt für nie wieder gut zu machende Versäumnisse und noch schwerer wiegende Geschmacksverirrungen zu rechtfertigen hat, schlugen mir nach Bekanntgabe des Impulse-Programms aus der Kollegenschaft verdächtig warmherzige Töne entgegen. «Total interessante Auswahl», «superspannend», «da muss ich echt mal nach NRW» – mit anderen Worten: Die professionelle Komplimentenkette wollte gar nicht mehr abreißen.
Mit minimalem investigativen Aufwand konnte der außergewöhnliche Vorgang schnell geklärt werden: Jenseits von Szene-übergreifenden Künstlern wie Hans-Werner Kroesinger oder Gob Squad fielen – ähnlich wie mir vor zwei Jahren – den Kollegen einfach gar nicht genügend Alternativen aus dem freien Betrieb ein, um ein ernsthaftes ...
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Burgdirektor ist eine feine Sache. Man ist zwar nicht direkt Gott, aber in Wien so nahe dran, wie es auf Erden nur geht. Nicht, dass man damit keine Arbeit hätte. Eine Handvoll Premieren in fünf Tagen sind keine Kleinigkeit, aber das hat Tradition in dem Beruf: Die ganze Welt in sechs Tagen war auch nicht schlecht. Dafür darf man Sachen machen, die darf kein...
Es ist schon ein Kreuz mit dem Neuen Menschen. Er will und will sich nicht gelingen. Da hat sich wenig geändert, seit Tschechow 1880 mit Zwanzig sein wildes Erstlingsdrama ohne Namen für die Schublade zwar, aber auch als komplette Stoffsammlung für alle folgenden verfasste. Dennoch hat die verlotterte «Platonow»-Gesellschaft – abgesehen davon, dass alle auf Pump...
