Foto: Sebastian Bühler/ Theater Heidelberg
Heidelberg: Schaum vorm Mund
Populismus, Fremdenhass und rechte Gewalt werden nicht erst seit AfD und Flüchtlingsdebatte auf der Bühne thematisiert. Zahlreiche Autoren haben in den letzten Jahren gründliche Recherchen und ideologische Tiefenforschungen zu den dunklen Seiten Deutschlands betrieben: Die Schlampereien des Verfassungsschutz hinsichtlich der rechtsradikalen Terrorzelle NSU arbeiteten bspw.
Tugsal Mogul, Elfriede Jelinek, Nuran David Calis auf, Andres Veiel legte in «Der Kick» die Geschichte eines Mordes in der jugendlichen Neonaziszene frei, und Dirk Laucke trug in «Angst und Abscheu in der BRD» antisemitische Äußerungen rechter und linker Couleur aus Ost- und West-Deutschland zusammen.
Mit «Ich bin das Volk. Volkstümliche Szenen aus dem neuen Deutschland» hat das Theater Heidelberg nun eine Kroetzsche Szenencollage aus dem Jahre 1993 zu rechtsradikalem Denken ausgegraben. Angesichts brennender Asylbewerberheime muss Kroetz damals der heilige Zorn gepackt haben, derart erbarmungslos lässt er das dumpfdeutsche Kleinhirn aller Bevölkerungs- und Bildungsschichten in 24 Szenen zu Wort kommen. Während manche Schreckensszenarien von der Realität längst eingeholt worden sind – ein «Volksvertreter» ...
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Theater heute Februar 2018
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Natalie Bloch
In Jan Speckenbachs Filmen wird das Alltägliche mythisch und ästhetisch überformt. Das war schon in «Die Vermissten» (2012) so, als Adoleszenz surreal-dystopisch ausgedeutet wurde. Und es ist in «Freiheit» so, dem neuen Film des Regisseurs, der auch für seine Videoarbeit in Castorf-Inszenierungen bekannt ist.
«Bevor die Seelen der Verstorbenen wiedergeboren...
Neue Stücke
Über Eigentum sprechen – und dann auch noch auf der Bühne? Das Performancekollektiv She She Pop packt das heiße Eisen im Berliner HAU2 mit «Oratorium. Kollektive Andacht zu einem wohlgehüteten Geheimnis» frontal liturgisch an. Die Dramatikerin Gesine Schmidt hingegen hat in Regensburg Gespräche mit fünf Wohlhabenden geführt und das Material literarisch...
Es war, man traut sich das heute kaum zu sagen, keineswegs alles immer gut an Frank Castorfs Berliner Volksbühne. Nehmen wir zum Beispiel die Volksbühnenbulette. Mit Schaudern erinnere ich mich an den Premierentag, an dem ich kurz vor Vorstellungsbeginn am Volksbühnenbüffett eine solche original Volksbühnenbulette verzehrte. Hellbraun war ihre Farbe, knusperzart...
