Beredtes Dunkel
Was für eine einzigartige Madonnenfresse sie hat, diese riesigen Glotzeaugen, der weit oben auf den Schädel verschobene Haaransatz, dieser leichenbleiche Teint: Die Schauspielerin Brigitte Hobmeier, Liebling des Münchner Theaterpublikums, ist (wie nicht wenige herausragende Darstellungskünstler) ein Monster, eine Zumutung, eine mitunter nur schwer erträgliche Nervensäge.
Die kann oft zuviel, denkt man ächzend als Betrachter, die flirrt und glitzert, die wütet und verzagt, wo ein sturznormaler Alltagston angebracht wäre, und stets drängt sie ins Zentrum, auch wenn sie am Rand verkümmern müsste. In Stephan Kimmigs «Glaube Liebe Hoffnung» in den Münchner Kammerspielen ist die Hobmeier endlich mal eine Mauerpflanze. Kein strahlendes Elend, sondern ein (trotz ihres knielangen roten Mäntelchens) graues, trostloses, hingewischtes. Keine Heldin, sondern eine trübe, herumgeschubste, matt gesetzte Spielfigur der Schicksals- und Wirtschaftsmächte.
An Hobmeiers Elisabeth in Horváths «Glaube Liebe Hoffnung» in den Münchner Kammerspielen lässt sich schon fast die ganze Kunst des Regisseurs Stephan Kimmig exemplifizieren. Seine kluge Scheu vor dem Pathos, seine psychologische Genauigkeit. Das ...
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Wie wär’s mit einer Frauenfantasie? Bitte vorstellen: ein gepflegtes Bordell auf dem Lande, von außen kuscheliger Backstein-Gutshof, von innen hippe Szenebar mit Kristallklunkerlampen, Fototapeten und 70er-Jahre-Plastikwandverschalung. Die Nutten: hübsche, mitunter ziemlich schwul und angegriffen ausschauende Männer. Die Freier: attraktive, strenge, auffällig...
Vielleicht geht einem nach dem circa 70. Stück doch langsam der Stoff aus für gut gemachte Gesellschaftskomödien? Vielleicht verliert ein «Sir» auch ein wenig an Bodenhaftung, der Draht zu den wirklichen Problemen der Zeit ist gekappt, statt zynisch ist der Humor längst nur noch dickflüssig und zäh, von Ideen fehlt jede Spur. Aber es muss was Neues her. Unter «A»...
Die Verlockung muss groß sein, vielleicht, weil der Stoff so gewaltig ist und Tantiemen birgt. Nach Moritz Rinke (seit 2002 in Worms), Helmut Krausser («Unser Lied»), Marc Pommerening («die nibelungen. melodram») und einigen weniger Autorschaft beanspruchenden Hebbel-Bearbeitern (wie zuletzt Andreas Kriegenburg) hat nun Oliver Schmaering ein weiteres...
