Gemein ist geil

Hebbel «Maria Magdalena»

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Am Ende sind fast alle tot. Auf der Bühne steht ein Tischlermeister, der die Welt nicht mehr versteht und sich weiterhin «sinnend» in seine kleinbürgerlichen Moralvorstellungen verschraubt. Der Mann kapiert nicht, dass statt Sinnieren gelegentliches Denken durchaus angebracht wäre. Hätte er mal nachgedacht, wäre seine Familie vielleicht nicht zerbrochen und die Gattin unter Umständen nicht tot umgefallen, als der Sohn wegen eines angeblichen Juwelenraubes abgeführt wurde.

Und vielleicht hätte Tochter Klara sich nicht in vorauseilendem Gehorsam dem schlüpfrigen Leonhard hingegeben, um postwendend schwanger zu werden und dem Vater das Problem eines unehelichen Enkelkindes zu bescheren. 

«Darüber kann kein Mann hinweg», sagt Klaras Jugendfreund, der sie zwar durchaus noch genommen hätte, wegen des Kindes dann aber doch nicht will, den Schwängerer im Duell beiseite schafft und selbst schwer verwundet in der Landschaft steht, bevor Klara den Freitod wählt. Als Hebbel eine missglückende Liebesgeschichte nicht mehr nur aus Standesunterschieden erklärte, sondern nach seelischen Verkrümmungen im bürgerlichen Subjekt fahndete, nahm er ganz nebenbei auch das Gewinnstreben einer Klasse ins ...

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Theater heute Mai 2006
Rubrik: Chronik, Seite 35
von Jürgen Berger

Vergriffen
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